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Norwegen

~ Solotour im Rondane Nationalpark – Tag 12 ~


Datum:     Freitag, 23.10.2009
Wetter:     4 °C, Regen



Um 04.30 Uhr endet heute meine Nachtruhe und ich muss, wieder einmal im Dunklen, meine Sachen zusammenpacken – zum letzten Mal für diesen Urlaub, denn heute wird mich der Flieger wieder nach Deutschland zu meinen Kindern bringen, auf die ich mich schon unglaublich freue. So schön eine Mutti-Auszeit auch ist – irgendwie freut man sich dann doch wieder auf die kleinen „Nervensägen“. 😉 Mit dem Shuttlebus bin ich schnell am Flughafen und habe dort noch etwas Zeit, um ein paar kleine Mitbringsel einzukaufen. Um 09.30 startet dann auch der Flug gen Deutschland und ich kann über den Wolken noch etwas Sonne tanken, bevor ich Berlin bei strömendem Regen den Flieger verlasse…

In Berlin muss ich dann noch sieben Stunden auf dem Flughafen warten, bevor der Voigtland-Express mich nach Elsterwerda bringen wird, wo ich von meinen Eltern um kurz nach halb acht abends abgeholt werde. – Viel Zeit, um diesen anstrengenden, aber dennoch traumhaft schönen Urlaub in Gedanken noch einmal Revue passieren zu lassen…

★ ENDE ★

Norwegen

~ Solotour im Rondane Nationalpark – Tag 1 ~


Datum:     Montag, 12.10.2009
Wetter:     Deutschland: 8 °C, regnerisch; Norwegen: -3 °C, klar



Und dann kommt er, der Tag der Abreise. Tags zuvor bin ich mit meinen Kindern bereits zu meiner Oma gefahren, die mit meinen Eltern zusammen die Kinderbetreuung für die nächsten 10 Tage übernimmt. Am Morgen stehe ich um 06.15 Uhr auf. Oma hat schon ein leckeres Frühstück gemacht. Wie lange genau muss ich jetzt nochmal auf ein solches verzichten? Mit leichtem Unbehagen denke ich an den mageren Proviantbeutel, der nach den zahllosen kläglichen Versuchen, meinen riesigen Ausrüstungsberg in den im Vergleich dazu geradezu winzigen Rucksack zu stopfen, übrig geblieben ist…

Mein Vater, der mich auf seinem Weg zur Arbeit nach Elsterwerda zum Bahnhof bringt, steht um 7 Uhr an der Tür und erklärt mich für verrückt, als wir gemeinsam den Rucksack in den Kofferraum wuchten. Am Bahnhof angekommen, muss ich noch rund eine halbe Stunde warten, bis mein Zug kommt. So wie ich dort sitze, alleine im trüben Grau, mit einem Rucksack, den ich kaum anheben kann, bekomme ich zum ersten Mal Angst, mir doch zuviel vorgenommen zu haben. Die Sorgen meiner Oma, mischen sich in Gedanken mit den Tränen meiner Jüngsten, als ich mich verabschiedet habe, und den eigenen Bedenken. 10 Tage Norwegen. Ein Rucksack, den ich kaum anheben kann. Keine finanzielle Reserve, die mich auf eine Unterkunft außer meinem Zelt zurückgreifen ließe, geschweige denn eine Umbuchung des Fluges, falls doch etwas schief läuft. Ich bin schon froh, dass ich im August des Jahres zum ersten Mal mit dem Flugzeug zur Hochzeit meines Bruders nach Madrid geflogen bin und mir das Prozedere deshalb nicht mehr ganz neu ist… Dennoch. Auf einmal kommt in mir ein fast übermenschlicher Fluchtreflex auf. Noch könnte ich bleiben. Doch dann kommt mein Zug und ich steige ein. Jetzt gibt es kein zurück mehr…

Mit dem „Voigtland-Express“ geht es in 1 ½ Stunden ohne Umsteigen nach Berlin-Schönefeld und das Ganze für nur 12 Euro. Die Deutsche Bahn verlangt mit 1x Umsteigen auf der gleichen Strecke satte 30 Euro mehr. Der bei der Abfahrt schon recht graue Himmel öffnet zu allem Überfluss auch noch seine Schleusen und ich hoffe, dass es oben in Skandinavien nicht genauso aussieht.

Der Check In am Flughafen verläuft problemlos, da die nette Frau am Schalter bei den 2,4 kg Übergewicht meines Rucksacks nochmal ein Auge zudrückt. (Alternativ hätte ich daraus jedoch noch zwei Gepäckstücke machen können, die ich gebucht hatte, da ich wusste, dass 20 kg nicht reichen würden – auf Umpacken hatte ich jedoch so gar keine Lust…). Bei der Sicherheitskontrolle werden meine Schuhe durchleuchtet und die Kameraausrüstung in meinem Handgepäck wird zudem mit einem „Staubsaugetest“ auf Drogen oder Sprengstoff untersucht. Da jedoch alles clean ist, darf ich unbehelligt in meinen Flieger steigen…

Gegen Mittag hebt dieser dann ab und trägt mich durch die dicke Wolkenschicht an die Sonne und ich genieße den dunkelblauen Himmel und die faszinierenden Wattebäusche unter mir. Der Flug nach Oslo-Rygge dauert keine zwei Stunden und schon bald zeigen sich herbstbunte Wälder und zahlreiche Seen unter der mittlerweile aufgerissenen Wolkendecke.

Als ich das Flughafengebäude in Rygge verlasse, ist es wunderbar warm in der Sonne. Ein kostenloser Shuttlebus bringt mich dann auch gleich zum Bahnhof nach Rygge. Mein Zugticket für die Weiterfahrt nach Otta, dem Tor zum Rondane-Nationalpark, habe ich übers Internet schon Wochen vorher zum Minipris 199,- NOK in Deutschland gebucht. Ich bin gespannt, ob die Abholung am Ticketautomat problemlos funktioniert. Und es geht dann auch sehr easy. Man kann sich das Menü sogar in deutscher Sprache anzeigen lassen und nach Eingabe meiner Referenznummer halte ich kurze Zeit später meine Fahrscheine in den Händen. Eigentlich hätte ich hier nun noch zwei Stunden Zeit, bevor der gebuchte Zug mich nach Oslo Sentralstasjon bringen würde, aber die freundliche Zugbegleiterin lässt mich schon in den Zug eher, der kurze Zeit später abfährt, einsteigen. Das ist mein Glück, denn so habe ich in Oslo ausreichend Zeit, mich um den Brennstoffvorrat für meinen Benzinkocher zu kümmern.

Auf dem Hauptbahnhof angekommen, muss ich erstmal meinen Rucksack losweden, da ich nicht mit diesem Gewicht auf meinem Rücken durch die Stadt laufen will. Etwas schlucken muss ich dann schon, denn das Schließfach soll 40 Kronen kosten, was beim derzeitigen Wechselkurs von 1:7,9 rund 5 Euro sind. Aber ich beiße in den sauren Apfel und zahle die Gebühr. In zweierlei Hinsicht erleichtert, laufe ich nun los zum Intersport in der Storgata 11. Es ist nicht sehr weit und ich genieße auf dem Weg dahin das Gefühl, nun wirklich in mein kleines Abenteuer zu starten… Der Preis, der mir dann in dem kleinen aber gut sortierten Sportgeschäft für meine zwei Flaschen gereinigtes Benzin abgenommen wird, holt mich jedoch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Eine Literflasche kostet sage und schreibe 69,- NOK, das sind etwas über 8,70 €!

Zurück am Bahnhof habe ich noch etwas Zeit und kann so noch in aller Ruhe durch die diversen Geschäfte bummeln. Danach hole ich mir meinen Rucksack zurück, fülle das Benzin in die Brennstoffflasche um und packe ihn zum vorerst letzten Mal um. Stolze 35,4 kg wiegt er jetzt – davon bringt allein die Kameraausrüstung samt Stativ rund 8 Kilo auf die Waage! Kann ich nicht ein ganz normales Hobby wie Briefmarken sammeln haben?!?

Pünktlich um 18.32 Uhr fährt mein Zug ab und vier Stunden später steige ich in Otta aus. Per Google-Maps habe ich mir eine kleine Karte ausgedruckt, mit der ich auch ganz gut aus der Stadt hinaus in Richtung Nationalpark finde. Es ist hier schon echt frisch, doch unter der erbarmungslosen Last meines Rucksacks, mit dem ich mich auf der Suche nach einem Schlafplatz Serpentine um Serpentine die Straße nach Mysuseter hinauf quäle, bin ich schon nach kurzer Zeit total durchgeschwitzt. Und mit jedem Schritt, den ich mich weiter nach oben schleppe, wird mir klarer, dass mein Vater völlig Recht hatte. Ich bin verrückt, total bescheuert sogar! Nur gut, dass ich das vorher noch nicht wusste…

Jetzt muss ich da durch und vor allem erstmal endlich eine halbwegs ebene Fläche finden. Ich stelle schon absolut gar keine Ansprüche mehr, Hauptsache mein Zelt steht bald irgendwo und ich kann endlich den unsäglichen Klumpen auf meinem Rücken loswerden und schlafen. Aber alles ist hier unsagbar steil und abschüssig. Endlich, von der Außenseite einer Kurve führt ein kleiner Trampelpfad davon. Hier werd ich versuchen, mein kleines „Micra“ aufzubauen, aber erst viel zu spät – nämlich als es das Innenzelt steht – merke ich, dass wohl der Wunsch der Vater des Gedankens war, dass ich hier endlich schlafen könnte. So „micro“ war mein „Micra“ dann doch nicht und die Stelle noch immer so abschüssig, dass ich vermutlich in der Nacht, eingewickelt in mein verselbständigtes Schlafgemach, irgendwo unten in der Sjoa gelandet wäre. Und als ob das nicht genug wäre, alles wieder zusammenpacken zu müssen, stelle ich fest, dass ich scheinbar den einzigen Kothaufen im meilenweiten Umfeld auserkoren hatte, um mein Zelt darauf zu stellen. So eine Sauerei! Mein Zelt stinkt und auch meine Schuhe und mein Rucksack haben etwas abbekommen. Ich bin sowas von bedient und könnte nur noch heulen. Nichtsdestotrotz werfe ich mir den Rucksack wieder auf den Rücken, um weiterzugehen.

Der wunderschöne sternenklare Nachthimmel über mir, das Wispern des leichten Windes in den letzten verbliebenen goldgelben Blättern an den Birken um mich herum und die nach Winter duftende Luft lassen mich dennoch irgendwie glücklich sein (wenigstens für die kurzen Momente, in denen ich zum Luftholen innehalte während ich meinen Rucksack auf den Leitplanken abstütze…). Aber zum Glück finde ich in einer weiteren Serpentine hinter einer Betonmauer endlich eine ebene Fläche, auf der ich das Zelt aufschlagen kann. Als ich endlich in meinen Schlafsack krieche ist es halb 4 Uhr morgens…

Rumänien – Durch die wilden Karpaten

~ Teil 2 ~


Am nächsten Tag fahren wir weiter durch diese wunderschöne, bäuerlich geprägte Gegend. Allerorts sind kleine Stände am Straßenrand aufgebaut, auf denen verkauft wird, was der eigene Garten oder das kleine Feld hergibt. Saftige, süße Melonen, Zwetschgen, dunkelrote Tomaten voller Geschmack. All das wechselt für ein paar rumänische Leu den Besitzer. Auch sehr leckeren rumänischen Honig können wir am Straßenrand erstehen.

Der Stausee Izvorul Muntelui, der auch Lacul Bicaz genannt wird, ist der größte Stausee Rumäniens und in den wasserarmen Kalksteingebieten ein seltener Anblick. Wir haben die Hoffnung, hier vielleicht irgendwo baden gehen zu können, aber wir gelangen nirgends wirklich ans Wasser heran. Die einzige Stelle ist felsig und so verbaut, dass wir unseren Veruch dann doch aufgeben.

Ab jetzt wollen wir mitten durchs Gebirge fahren und uns auf kleinen Fahrwegen mehr oder weniger entlang des Karpatenkammes zirca 200 km nach Süden vorantasten – ein äußerst abenteuerliches Vorhaben, aber davon wissen wir ja noch nichts… 😉 Und wir kommen auch nicht sehr weit, denn aufgrund der äußerst schlechten Schotterpisten landen wir schon bald fast im Straßengraben. Die Räder kreisen in der Luft, wir kommen keinen Millimeter mehr voran, ohne einen Absturz zu riskieren. Nun ist guter Rat teuer – was nun? Doch schon bald taucht unverhofft Hilfe in Form eines rumänischen Waldarbeiters auf, der uns in unserer misslichen Lage sieht und sofort sein Pferd ausspannt, um damit das Auto wieder auf die Straße zu ziehen…

Die Rettungsaktion gelingt, obwohl es kurz den Anschein hat, als ob das Auto doch noch den Hang hinunter kippt und das Pferd mit sich reißt! Wir sind unglaublich dankbar über diese freundliche Rettungsaktion und beschenken den Bauern mit ein paar Kleinigkeiten aus unserern Lebensmittelvorräten, da er kein Geld für seine Hilfe annehmen will. Und dann geht es auch schon weiter, im Schritttempo durch die Berge.

Ein typisches Landschaftsbild sind hier die vielen kleinen Höfe, die sich aus den Tälern bis auf die entferntesten Bergkuppen verteilen, neben dem Haus ein Brunnen, ein kleines Feld, Heuschober und die Kreuze der auf ihrem Grund begrabenen Vorfahren. Von diesen Höfen läuft man in der Regel bis zu drei, vier Stunden zur nächsten größeren Gemeinde, was in der Regel nur am Sonntag zum Kirchgang geschieht.

In den tiefen Wäldern hier in der Gegend gibt es noch Bären, Wölfe und Luchse. Ein Waldarbeiter, der vorbeikommt, während wir unser Zelt aufbauen, will uns vor „Ursus“ warnen und schüttelt nur verwundert mit dem Kopf, als wir dennoch bleiben. Zunächst lassen wir uns von dieser Warnung auch nicht beeindrucken, gehen den normalen Campleben nach (abends gibt es sogar lecker Plinsen mit Marmelade vom Campingkocher) aber als wir abends im Zelt liegen und den Geräuschen der Nacht lauschen, verkündet doch jedes Rascheln und Knacken das Näherkommen eines wilden Karpatenbären…

Heute wollen wir wieder eine größere Strecke zurücklegen, ein paar Ziele locken noch im Süden Rumäniens und deshalb brechen wir schon recht zeitig auf. Doch hier oben in den Bergen ist der Zustand der Straße weiter so schlecht, dass ich bequem neben dem Auto her gehen kann und Schmetterlinge und Blumen fotografieren, ohne den Anschluss zu verlieren. Später am Tag fahren wir durch die Bicaz Schlucht, die zu den spektakulärsten und bekanntesten in Rumänien zählt. Die dicht bewaldeten Berge ragen bis zu 300 m neben der schmalen, schlaglochübersäten Straße auf. Der Fluss Bicaz rauscht erst rechts, dann links der Straße durchs Tal. An den breiteren Stellen der Schlucht stehen ein paar Hütten von Souvenirhändlern.

Je weiter wir aus den Bergen hinauskommen und nach Süden vordringen, desto heißer wird es. Es sind über 30°C und im Auto kaum auszuhalten. Wir kommen an Wein- und Pfirsich-Plantagen vorbei, wo wir begierig ein paar saftige Früchte pflücken… Die Weintrauben schmecken wunderbar süß und erfrischen bei der fast unerträglichen Hitze im Auto wenigstens etwas. Aus Kindertagen kennen wir sie noch alle: Telegrafenmäste – etwas, das in Deutschland jedoch schon fast überall der Vergangenheit angehört – hier gehören sie noch zum alltäglichen Straßenbild. Vielerorts können wir hier auch Ziehbrunnen sehen, mit denen die Viehtränken mit Wasser befüllt werden. Diese Brunnen, nutzen ein jahrhundertealtes Prinzip, bei dem mit einem langen hölzernen Hebel ein Eimer in die Tiefe hinabgelassen und mit frischem Grundwasser befüllt wieder hinauf befördert wird.

Auf (endlich einmal wieder) recht guten Straßen legen wir heute rund 300 km zurück. Am Nachmittag geht es wieder einmal auf kleinen staubigen Pisten durch die Dörfer – in einer Gegend, die durch Erdölförderung und Landwirtschaft geprägt ist.

Am Abend erreichen wir nach einigen Irrungen aufgrund der schlechten Ausschilderung unser heutiges Tagesziel: die Schlammvulkane „Vulcanii Noroiosi“ in der Ortschaft Berca. Obwohl diese Miniaturvulkane wie ihre großen Verwandten aussehen, fördern sie keine Lava, sondern – wie der Name schon sagt: Schlamm – aus mehreren Kilometern Tiefe. In Erdölgebieten kommen sie relativ häufig vor, da sie an ähnliche Ablagerungsbedingungen wie dieses gebunden sind: Sedimentbecken in denen relativ schnell große Mengen an wasserreichem, tonigem Material abgelagert wurde. Durch die darüber auflagernden jüngeren Sedimente, stehen diese wasserreichen Schichten unter Druck, steigen durch ihre geringere Dichte auf und können an tektonischen Schwächezonen austreten. Eingeschlossene, aufsteigende Gase wie Methan oder Kohlendioxid reißen den Schlamm mit sich und lassen ihn oft mehrere Meter weit aus dem Krater spritzen. Andere Vulkane blubbern dagegen recht friedlich vor sich hin, wieder andere laufen aus wie der überkochende süße Brei aus Grimms Märchen. Ein ganz besonderes Naturschauspiel im letzten Licht der untergehenden Sonne…..

Unser Zelt haben wir ganz in der Nähe aufgeschlagen und so können wir zum Eischlafen immer wieder das Blubbern und Glucksen der Vulkane hören – neben dem Zirpen der Zikaden, die unsere Nachtmusik spielen.

Am nächsten Morgen bauen wir nach dem Frühstück unser Zelt ab, packen zusammen und fahren noch ein kleines Stück. Wir wollen noch zu einem weiteren Vulkanfeld, das ganz in der Nähe sein soll.

Wir finden das weitere Gebiet ohne große Probleme und sind wie bereits am Vortag fasziniert von diesem eigenartigen Naturschauspiel. Da es so trocken ist, können wir uns die Vulkane ohne Bedenken anschauen und auf der weiten Fläche herumlaufen. Bei Regenwetter sind jedoch nur mit äußerster Vorsicht zu betreten: in den mehrere Meter dicken Schlammschichten sollen schon ganze LKW versunken sein.

Eine eigenartige, karge und vegentationslose Mondlandschaft breitet sich hier in der drückenden Sommerhitze auf mehreren Hektarn Größe vor uns aus – durchzogen von tiefen, durch das Regenwasser gebildeten Erosionsrinnen, in denen die Kinder fast verschwinden können. Obwohl solche Schlammvulkane in Europa nur selten zu finden sind, gibt es weltweit doch viele ähnliche Gebiete.

Rumänien – Durch die wilden Karpaten

~ Teil 1 ~


Am 31. Juli 2000 starteten wir von Dresden aus in Richtung Tschechischer Grenze (Hřensko), aber schon in Pirna mussten wir unsere Fahrt wieder unterbrechen, weil der kleinen Josefin, damals grad zwei Jahre alt, im Auto hinten so schlecht geworden ist, dass sie sich gleich einmal von oben bis unten vollgebrochen hatte – das konnte ja heiter werden bei allein 1000 Kilometern Anreise! Wir wechselten die Sachen, besorgten ihr in der Apotheke noch ein Mittel gegen Reiseübelkeit und weiter ging es. Das Mittel half uns so kamen wir doch unverhofft gut voran. Gegen Abend schlugen wir zum ersten Mal unser Zelt auf – irgendwo in den Wäldern der Slowakei. Über Ungarn ging es dann am nächsten Tag nach Rumänien, wo wir im Norden bei Satu Mare die Grenze überquerten…

Maramures – im Norden Rumäniens, nahe der Grenze zur Ukraine gelegen – gehört zu den ursprünglichsten Regionen dieses Landes. Es ist ein bergiger, waldreicher Landstrich voller Vielfalt und natürlicher Schönheit. Man fühlt sich hier mindestens um ein Jahrhundert in der Zeit zurückversetzt. Pferdefuhrwerke, Ochsenkarren, spielende Kinder, Hühner, Gänse und Hunde auf den löchrigen Straßen gehören genauso zum Ortsbild, wie der Bauer mit seiner Sense auf der Wiese und die daneben friedlich grasenden Kühe. Am Abend sitzen die Männer beim Kartenspielen und die Frauen beim Bohnenschnibbeln oder einfach nur so zu einem kleinen Plausch auf den Bänken an der Straße…

Auch für Rumänien selbst, ist die Maramures ein ganz besonderer Landesteil. Hier sollen die freien Draker gehaust haben, die nie durch das römische Imperium besetzt wurden, sondern nur Handel mit ihm trieben, und die sich auch sonst allen Eindringlingen widersetzten. Die Rumänen sagen selbst, in der Maramures leben die freundlichsten, hilfsbereitesten, aber auch die starrköpfigsten Bewohner ihres Landes. Und die Hilfsbereitschaft der Rumänen sollen wir in den nächsten Tagen noch mehrfach genießen dürfen. Entlang der wenig befahrenen Dorfstraßen stehen kleine Bauernhäuser, oft ganz aus Holz errichtet – viele mit kunstvoll geschnitzten Verzierungen und riesigen Holztoren. Gerade die Holzbaukunst, die über Jahrhunderte hinweg in den Dörfern sich erhalten hat, ist allein schon einen Besuch dieser Region in den Karpaten wert. Zu ihren Wahrzeichen gehören auch wunderschöne Holzkirchen, die in fast jedem Ort zu sehen sind. Sieben davon wurden von UNESCO in die Welterbeliste aufgenommen.

Hier wird auch das Brauchtum noch gepflegt. Es ist Sonntag und auf den Straßen sieht man vielerorts die Menschen in traditioneller Kleidung, mit geblümten Röcken, bunt bestickten Schürzen, Filz- oder Schafwollwesten und bunten Kopftüchern zur Kirche gehen. Wir kommen an in Sapinta, einem kleinen Ort, der eine besonders originelle Sehenswürdigkeit zu bieten hat: den „Heiteren Friedhof“. Dass hier ab und zu Touristen vorbeikommen, machen sich einige Bäuerinnen zunutze, die bei schönem Wetter ihre Webstühle am Straßenrand aufbauen und wunderschöne, dicke Wollteppiche weben und zum Kauf anbieten.

Im Jahre 1935 hat sich hier ein junger Mann namens Ion Stan Patras verpflichtet, günstig ein Holzkreuz für einen verstorbenen, armen Menschen anzufertigen. Dieses Holzkreuz war eine Überraschung, da es mit der Tradition brach. Es war bunt bemalt mit geschnitzten naiven Versen und Bildern wurde auf komische Weise das Leben des Verstorbenen beschrieben. Die Dorfeinwohner waren so begeistert, dass sie nun für alle Verstorbenen Kreuze bei Ion Stan Patras bestellten. Somit entstand im Laufe der Jahre ein kleiner, ungewöhnlicher Friedhof im Kirchenhof. Jedes dieser Kreuze enthält ein Bild und die Beschreibung eines Lebens in der Mundart der Menschen aus Maramures. So kann man, sofern des Rumänischen mächtig, von Trunkenbolden, Schürzenjägern und zänkischen Schwiegermüttern lesen… Der Friedhof erzählt so auch einen Teil der Dorfgeschichte. Ungefähr 700 Holzkreuze stehen heute um die orthodoxe Kirche – alle im besonderen Blau von Sapânta.

Wir setzen unsere Reise fort und fühlen uns wie aus der Zeit gefallen, beim Anblick von im Fluss Wäsche waschenden Frauen, Ochsen, die Pflüge über den Acker ziehen und Männern, die mit der Sichel das Gras schneiden, um es später zu hohen Heuschobern aufzustapeln…

Jetzt biegen wir ab, um möglichst auf kleinen Bergstraßen, die Karpaten entlang zu fahren. Wir wollen die ursprünglichen und möglichst wenig touristisch geprägten Bergregionen erkunden, auch wenn wir oftmals nur im Schritttempo vorankommen. Ein Bauer, der mich irgendwie sehr an meinen Opas erinnert, der in seiner Jugend immer in der Landwirtschaft geholfen hat, wie ich mich aus seinen Erzählungen noch erinnern kann, als ich ein Kind war. Am Abend finden wir lange keinen geeigneten Lagerplatz. Als es schon dunkel wird, beschließen wir uns auf einer Wiese mitten in einer recht offenen Landschaft niederzulassen, da wir nirgends einen geschützteren Platz finden konnten.

Am nächsten Morgen kommen dann schon in aller Frühe zwei Bäuerinnen mit je einer Kuh im Schlepptau, die sie auf „unserer“ Zeltwiese zum Weiden anpflöckern wollen. Ganz von Deutschland gewohnt, rechnen wir natürlich damit, dass wir Ärger bekommen, weil wir hier zelten, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Die beiden sind unglaublich freundlich, verständigen sich mit Händen und Füßen mit uns, beobachten, wie ich das Frühstück auf dem Benzinkocher zubereite und melken die Kühe, um meiner Tochter die Milch zu schenken… Anschließen graben sie noch frische Kartoffeln aus, ziehen ein paar Möhren und schenken sie uns – wir sind einfach nur überwältigt von so viel Gastfreundschaft. Etwas später werden sogar noch die beiden Enkelsöhne geholt, die im gleichen Alter wie meine Kinder sind, um sie uns vorzustellen…

Gegen Mittag fahren wir dann schließlich mit der Adresse einer Bäuerin weiter, um ihr die Fotos zu schicken, die wir von ihnen gemacht haben. Auf den anschließenden Kilometern wird unser Auto immer lauter und wir stellen fest, dass wir uns Verkleidung des Auspuffs am Boden auf den schlechten Straßen fast abgerissen haben. Wir steuern also die nächste Autowerkstatt an und nach einer halben Stunde, während ein Mechaniker (begleitet von den Blicken und klugen Ratschlägen fünfer anderer) mittels biegen, hämmern und schweißen, die Verkleidung wieder an ihren vorgesehenen Ort befestigt. So können wir dann auch bald wieder weiterziehen…

Im Rodna Gebirge dominieren nicht die wilden Felswände und Gipfelgrate, sondern die großen bis oben hin mit Gras bewachsenen Berge, auf denen die Wolken mit ihren dahinfliegenden Schatten eigenartige Formen malen und der Wind den Kamm wie ein grünes wildbewegendes Meer wogen lässt.

Diese Region hier ist eine Hirtendomäne, in welcher der Tourismus noch kaum Einzug gehalten hat. Allerorts prägen friedlich grasende Schafherden das Bild und wir genießen einen unglaublich schönen Lagerplatz mit berauschender Stille.

Am Abend nach dem Abendbrot laufen wir noch auf den nahegelegenen Hügel, um die Aussicht von dort oben zu genießen. Als wir auf dem Rückweg zum Zelt sind, kommen uns auf einmal zwei sehr eifrige Hirtenhunde wild bellend entgegen und wir machen uns innerlich schon auf eine Konfrontation gefasst, dann taucht jedoch  der Schäfer auf und pfeift sie zurück, bevor wir als Hundefutter enden… Der Schäfer spricht sogar ein paar Brocken Englisch und so können wir uns ein Wenig unterhalten. Er bietet uns auch seinen gerade  gesammelten Korb voller prächtiger Steinpilze an, aber wir lehnen dankend ab – sicher war dies sein Abendbrot.
Der nächste Tag beginnt wieder mit herrlichstem Sonnenschein, so dass wir beschließen, heute einmal nicht weiter zu ziehen, sondern noch einen Tag länger an diesem herrlichen Ort zu bleiben. Wir lassen nach dem Frühstück das Zelt einfach stehen und wollen zu Fuß ein Bisschen die Gegend erkunden… Josi kommt in die Kraxe. Sie wollte nie weit alleine laufen, auch heute ist das noch nicht anders… 😉

Als wir am Nachmittag wieder zu unserem Camp zurückkehren, ist gerade eine Herde Kühe dabei, unsere Zeltleinen und die zum Trocknen aufgehangenen Handtücher zu verspeisen. Am Abend gibt´s Würstchen und Knüppelbrot vom Lagerfeuer – einfach nur urig und gemütlich. Und dazu der Duft von brennendem Holz… herrlich!

Rumänien – Durch die wilden Karpaten

31. Juli – 15. August 2000


Der wilde Osten, die Karpaten, Dracula und Transsylvanien, mythische Begriffe, die heute, genau wie damals eine eigentümliche Faszination auf mich ausüben. 14 Jahre ist es nun wirklich schon her, dass ich einen Urlaub in Rumänien verbracht habe? In zweierlei Hinsicht wohl eine Reise in die Vergangenheit.

Das knappe Budget einer Studentin gab wie üblich nicht allzu viel für große Reisträume her, aber die Semesterferien ungenutzt verstreichen lassen? Das kam nicht in Frage. Also, was tun? Mir kam die Idee, eine Anzeige in der Reisepartnersuche beim Globetrotterforum zu veröffentlichen, a la: „Möchte mit meinen Kindern gern durch Rumänien reisen – habe aber weder fahrbaren Untersatz, noch eine große Reisekasse. Suche jemanden, der uns mitnimmt….“ Und unfassbar: Es meldete sich tatsächlich jemand! Ja und nach einem kurzen vorherigen Kennenlern-Treffen, beschlossen wir im Juli 2000 das Abenteuer Rumänien zu wagen.

Da ich zu dieser Zeit noch analog fotografierte, ist die Qualität der Bilder oft rein dokumentarisch, aber irgendwie hatte es doch was, mich an die alten Diascans (DANKE Andreas!) zu setzen und in Erinnerungen zu schwelgen. Leider habe ich damals auch noch kein Reisetagebuch geführt, weshalb dieser Reisebericht wohl eher ein Reisebilderbuch wird. Ein Bisschen schade finde ich es schon, dass ich unsere damalige Route heute nicht mehr wirklich nachvollziehen kann, aber was soll´s. Vielleicht hat ja trotzdem jemand Interesse, hier ein Bisschen Bilder zu gucken.