Von einer lieben Freundin habe ich vor einiger Zeit ein Meyer-Görlitz Trioplan 100mm f2.8, liebevoll auch einfach Trio genannt, geschenkt bekommen. Welche Freude!

Letzten Winter gab hier in der Gegend kaum Schnee, selbst in den Alpen war eine rechte Schneeflaute. So konnte ich nur an einem einzigen Wochenende die Gelegenheit nutzen, um im Erzgebirge eine winterliche Wanderung zu machen. Hier sah ich am Wegrand einige eher trostlos aussehende, verdorrte Brennnesselhalme. Doch durch das Objektiv betrachtet wurden sie auf einmal zu filigranen Gebilden im Glitzerlicht aus Eis und Schnee. Ich wünsche Euch mit diesen Aufnahmen allen ein wunderschönes und besinnliches zweites Adventswochenende. Hoffen wir mal, dass es diesen Winter ein paar mehr weiße Tage gibt, schließlich will ich auch endlich Skifahren lernen. 😉

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Datum: Freitag, 20. März 2015
Strecke: 14 km (Schmilka – Rauschengrund – Starke Stiege – Teufelsturm – Reitsteig – Lehnsteig – Schmilka)

Reine Gehzeit: 07:08:17
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 1,96 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 899 m / 896 m
Minimale/Maximale Höhe: 124 m / 468 m

Charakter: Teilweise anspruchsvolle Stiegen-Wanderung mit herrlichen Aussichtspunkten im Schmilkaer Gebiet. Trittsicherheit erforderlich.

Einkehrmöglichkeit: Schmilkaer Mühlenbäckerei

Am letzten Freitag konnte natürlich auch ich nicht widerstehen, mir die partielle Sonnenfinsternis anzusehen und zu fotografieren, zumal das Wetter optimal dafür war. Zum Glück konnte ich mir diesen Tag frei nehmen und machte mich gegen 7:00 Uhr auf die Socken, um zunächst einmal mit dem Zug nach Schmilka zu fahren. Draußen war es ziemlich frostig und im ersten Sonnenlicht glitzerten die Wiesen im Raureifmantel. Die bereits am Vorabend grob geplante Route sollte mich in die Schrammsteine führen und schon am Morgen noch ein weiteres Highlight für mich beinhalten – die Starke Stiege, die ich bisher noch nicht kannte. Mit Blick auf den Rauschenstein fotografierte ich die Sonnenfinsternis und drehte anschließend noch eine Runde im Schmilkaer Gebiet, um den freien Tag beim herrlichen Sonnenschein auch auszukosten. Zum Fotografieren selbst war das Licht an diesem Tag zwar eher weniger gut geeignet, denn es war sehr diesig und kaum Fernsicht, dem Seelengenuss tat dies jedoch keinen Abbruch. Aber schaut einfach selbst…

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Donnerstag 25.09.2014

Ende September war ich mit meinem Fotofreund Andreas Richter für ein verlängertes Wochenende auf dem Darss, um die Brunft des Rotwildes, die zu diesem Zeitpunkt in vollem Gange war, mitzuerleben und mit etwas Glück auch ein paar Fotos davon mit nach Hause zu bringen. So holte mich Andreas am Mittwoch nach der Arbeit in Dresden ab und wir fuhren los gen Ostsee. Wir kamen gut durch, mussten nur leider kurz vorm Ziel feststellen, dass die Zufahrt zum Darss über Barth ohne vorherige Ausschilderung gesperrt war. Nun hieß es noch einmal 25 Kilometer zurück fahren und dann über Ribnitz auf den Darss. Zum Glück kannte Andreas schon von einigen Touren vorher eine geeignete Stelle auf einer Wiese am Prerowstrom, auf der wir übernachten konnten – er im Auto, ich im Zelt.

Nach einsetzendem Nieselregen in der Nacht präsentiert sich der nächste Morgen leider grau in grau und immer wieder ziehen Regenschauer übers Land. So frühstücken wir erst einmal in aller Ruhe im Auto und fahren dann nach Zingst, wo wir uns eine kleine Fotoausstellung ansehen. In der Zwischenzeit wurde ein Treffen mit Freunden von Andreas, die schon eine Woche hier vor Ort weilten, ausgemacht. Da bis dahin noch ein Weilchen Zeit ist, machen wir uns zunächst einmal auf an den Strand. Herrlich! Meeresrauschen, Möwengekreisch, Salzwasserduft… Wenn ich auch ein Mensch der Berge bin, einmal im Jahr kurz ans Meer muss aber doch sein!

Am Nachmittag dann das Treffen mit Andreas´ Freunden im Ulenhoef, einem urigen kleinem Café in Prerow mit super leckeren selbstgebackenen Kuchen und Torten. Diese gemütliche Einkehr kann ich nur jedem empfehlen, der einmal vor Ort ist. Gleich nebenan ohne Parkschein zu parken allerdings nicht, denn dann wird der Kaffee gleich noch einmal um 15,- € teurer…

Anschließend leihen wir uns ein paar Fahrräder, mit denen wir uns auf den Weg ins Naturschutzgebiet im Darsser Wald machen, um uns erstmals mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen und vielleicht sogar schon den einen oder anderen Hirsch zu sehen. Nachdem wir die Räder am Ende des Radweges abgestellt haben, schultern wir unsere Kameras und machen uns zu Fuß auf in Richtung Dünen. Schon bald können wir aus den Wäldern das lautstarke Röhren der Hirsche vernehmen – ein schaurig schöner Klang, der einem Gänsehaut auf dem Körper hinterlässt. Sehen und aus der Ferne fotografieren kann ich jedoch nur eine Kuh, die sich kurz auf einer Düne zeigt, die starken Hirsche bleiben im Schilfgras weitestgehend in Deckung.

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Als es schließlich dunkel wird beschließen wir den Abend bei Andreas´Freunden bei einem Glas Wein und und angeregten Gesprächen, bevor wir uns wieder aufmachen, um auf unserer Zeltwiese zu nächtigen.

Freitag, 26.09.2014

Nachdem ich in der Frühe einmal aus dem Zelt geschaut habe und der triste graue Himmel nicht auf eine morgendliche Fotopirsch lockt, schlafen wir einfach aus und packten erst am frühen Vormittag unsere Sachen zusammen. Da es kurz darauf beim Frühstück wie verrückt anfängt zu regnen, fahren wir zunächst etwas planlos durch die Gegend, halten mal hier und mal dort und gehen in einer kurzen Regenpause auch einmal an den Strand. Am Nachmittag sind wir dann wieder verabredet und fahren zu viert noch einmal ins Naturschutzgebiet. Die Männer wollen zu den Hirschen, wir Frauen fahren an den Weststrand zum Leuchtturm und schlendern ein Stück am Strand entlang.

Es ist jedoch sehr windig und kalt, so dass wir nicht allzu lange dort bleiben. Wir treffen uns wieder mit den Männern und beschließen in Anbetracht des verregneten Wetters zurück zur Zeltwiese zu fahren. Als wir dort ankommen, zeigt sich am Horizont doch noch ein kleiner Streifen Sonne – Vorbote des sich nun endlich bessernden Wetters. Wir machen ein paar Fotos, laufen ein Stück am Prerowstrom entlang und gehen fahren anschließend doch noch einmal zurück nach Prerow, um zum Abendbrot ins „Rennhack“ zu gehen, wo wir fangfrischen, lecker zubereiteten Fisch genießen. Zurück auf der Zeltwiese werden dann noch zwei drei Nachtaufnahmen vom Sternenhimmel gemacht – muss ich doch mal testen, ob meine neue Kamera in den hohen Iso-Werten so hält, was sie verspricht. Rings um uns herum hören wir dann zum Einschlafen rings um uns herum die Hirsche röhren, welch grandioses Nachtkonzert!

Samstag, 27.09.2014

Schon lange vor Sonnenaufgang klingelt heute der Wecker, wir wollen das gute Wetter nutzen und noch vor Sonnenaufgang bei den Hirschen sein. Doch noch während wir unsere Siebensachen packen, steigt auf einmal keine zehn Meter von uns entfernt einer dieser brunftigen Geweihträger aus dem Dickicht, bleibt im Licht unserer Stirnlampen stehen und schaut uns ebenso verdutzt an, wie wir ihn, bevor er in weiten Schritten von dannen läuft. Ein einmaliges Erlebnis, diesem beeindruckenden Tier so nahe gegenüber zu stehen!

Schnell sind wir dann im Auto und fahren bis Prerow zum Parkplatz, wo wir unsere Mietfahrräder stehen haben. Mit diesen machen wir uns neben einigen anderen Fotografen mit dem gleichen Ansinnen auf den Weg. Bevor es richtig hell wird, stehen wir dann auch schon mit Blick auf die Hirsche in den Dünen und können diese im anbrechenden Tageslicht beobachten und fotografieren. Sogar einen kurzen Kampf dürfen wir miterleben. Leider sind die Entfernungen ziemlich groß und wenn man nicht mit einem ganz dicken Tele bewaffnet ist, wie scheinbar die meisten Fotografen hier, dann werden es nur „Landschaftsbilder mit Hirsch“. Für mich als Nicht-Tierfotografin jedoch völlig ausreichend, bin ich doch schon glücklich, dieses Schauspiel der kämpfenden und röhrenden Rothirsche überhaupt einmal so hautnah erleben zu dürfen.

Als die große Show am Horizont vorbei ist und sich die Hirsche in den Wald zurückgezogen habe, schlendere ich noch ein Stück weiter in Richtung Weststrand, während Andreas sein Glück mit den Hirschen noch an anderer Stelle versuchen möchte. Das Wetter ist einfach herrlich – Sonne, blauer Himmel und nun auch angenehme Temperaturen. So verbringe ich die nächsten drei Stunden völlig entspannt in den Dünen und am Strand und mache auch noch das eine oder andere Foto nebenbei…

Gegen Mittag treffe ich Andreas am alten Hafen wieder, wo er zufällig noch auf andere Fotofreunde von uns gestoßen ist. So verbringen wir dort noch eine ganze Weile, bis uns der knurrende Magen zum Mittagessen in den Ort zurück zieht. Nach dem Essen gehen wir erneut getrennten Weges – Andreas natürlich noch einmal zu den Hirschen, ich möchte mit dem Rad noch einmal eine kleine Runde durch den schönen Darsswald drehen. Ich habe eine Flasche Rotwein, Käse und Oliven im Gepäck und schlendere schließlich an einen einsamen Strand am Westufer. Die letzten Stunden dieses Tages genieße ich dann einfach ganz für mich allein am Strand. Lausche dem Meeresrauschen, schaue den Möwen zu, genieße Wein und Antipasti während die Sonne in wunderschönen Farben ins Meer versinkt. Obwohl schon hundertfach fotografiert, lasse ich mich aufs Neue davon begeistern, die Spuren des Wassers, des Wellengangs und des darauf reflektierten Sonnenlichts mit der Kamera einzufangen, bis auch das letzte Licht der blauen Stunde am Horizont verlischt und das Meer sein Farbspiel von orange über rosa und alle erdenklichen Blauschattierungen ins Grau verloren hat.

Auch Andreas hat bis zum letzten Sonnenstrahl bei den Hirschen fotografiert und so treffen wir uns erst zu dunkler Stunde am Parkplatz wieder. Wir bringen die Räder zurück zur Ausleihe und fahren anschließend zum Schlafplatz. Leider müssen wir feststellen, dass der Schäfer seine Schafe umgekoppelt hat und unsere Schlafwiese nun eine umzäunte Schafwiese ist. Nach einiger Suche finden wir jedoch ein anderes Fleckchen zum nächtigen und steigen zufrieden in unsere Schlafsäcke.

Sonntag, 28.09.2014

An unserem letzten Morgen hier auf dem Darss wollen wir den morgendlichen Aufbruch der Kraniche beobachten und begeben uns zum Sonnenaufgang zu einem Aussichtspunkt am Barther Bodden. Auch wenn es derzeit nicht ganz so viele Vögel sind, genießen wir doch auch dieses Erlebnis in vollen Zügen, bevor wir uns anschließend wieder auf den Nachhauseweg begeben…

 

Datum: Sonntag, 3. August 2014
Strecke: ca. 8 km (Altenberg – Geisingberg – Lauenstein)

Reine Gehzeit: ca. 02:30:00
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 3,9 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 113 m / 391 m
Minimale/Maximale Höhe: 472 m /817 m

Charakter: leichte Wanderung mit kurzem Anstieg zum Geisingberg, sonst größtenteils abwärts führend, abwechslungsreich über Wiese, Wald und Feld, einige schöne Aussichten ins Erzgebirgsvorland.

Da ich im Moment der doch im Sommer sehr überlaufenen Wanderrouten in der Sächsischen Schweiz ein wenig überdrüssig bin, weite ich meinen Radius zum Wandern am Wochenende etwas aus. So verschlug es mich Anfang August gleich zwei Wochenenden hintereinander ins schöne Osterzgebirge, das via Heidenau mit der Müglitztalbahn auch gut erreichbar ist. Hier wird das Landschaftbild durch eine gänzlich andere, etwas gemäßigtere Morphologie geprägt. Basaltkuppen wechseln mit hügeligen Acker- und Waldgebieten und tief eingeschnittenen Tälern und es gibt einige wunderbare Weitblicke, wenn das Wetter mitspielt.

Bei sommerlich warmen Temperaturen um die 25 °C steige ich also in Altenberg aus der Bahn und stehe zunächst einmal recht verloren am Bahnhof, um mich zu orientieren, denn ich bin noch nie hier gewesen. Doch nach einem Blick auf Infotafel und Wegweiser steht meine grobe Richtung  schnell fest. Erstes Ziel ist der 824 m hohe Geisingberg, eine basaltische Quellkuppe, die ihre Existenz den tertiären Bruch- und Hebungsprozessen der Erzgebirgsscholle zu verdanken hat.  Die den Geisingberg umgebenden, nun leider bereits gemähten, extensiv bewirtschafteten kräuterreichen Bergwiesen, stehen im nächsten Frühjahr schon auf dem Programm. Im Moment kann ich mich jedoch an den reichlich Weidenröschen erfreuen, die mit üppiger Blüte die Wegränder säumen. Der folgende kurze steile Anstieg wird mit einem eisgekühlten Rechenberger Fassbier belohnt, dass ich mir im herrlichen Biergarten der Geisingbergbaude schmecken lasse.

Nach dieser gemütlichen Rast geht es nun auf der anderen Seite des Berges wieder hinab und in Richtung des Müglitztales. Die nächsten Kilometer laufen sich wie im Flug – ob das wohl am Bier liegt, oder an der Tatsache, dass es fast ausschließlich bergab geht? Überall säumen über und über mit saftigen Himbeeren behängte Sträucher den Weg und verleiten zum Naschen. Auch die schönen Fernblicke bringen Freude, was ich jedoch von den sich im Osten mehr und mehr zusammenballenden Gewitterwolken nicht behaupten kann. Bald schon blitzt und donnert es um mich herum und ich bin froh, auf der Sachsenhöhe eine kleine Schutzhütte als Zuflucht vor dem folgenden Regenguss zu finden.

Bald darauf lässt der Regen etwas nach und ich kann wieder weiter gehen. So führen mich die letzten Kilometer nach Lauenstein durch tropfnasse Wälder und Wiesen, die von Feuchtigkeit erfüllt glitzern und dampfen. Ich genieße den Regenduft und die Wärme und schlendere geruhsam ins Müglitztal hinab. Kaum am Bahnhof angekommen fährt auch schon mein Zug ab und bringt mich wieder nach Hause, wo sich als Krönung eines schönen Tages noch ein herrlicher Regenbogen über der Elbe spannt.

Datum: Sonntag, 27. Juli 2014
Strecke: 14,9 km (Hřensko – Dürrkamnitz – Erbischbach – Janov – Edmundsklamm – Hřensko)

Reine Gehzeit: 04:37:01
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 3,23 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 944 m / 937 m
Minimale/Maximale Höhe: 157 m /379 m

Charakter: schöne Schluchtenwanderung mit einigen steileren An- und Abstiegen, sonst einfach, Bootsfahrt in der Edmundsklamm, angenehm kühl im Sommer, sehr ruhig)

Am letzten Juli-Wochenende zog es mich mal wieder zu einer Wanderung in die Böhmische Schweiz. Da die Temperaturen gegen Mittag als ich die Wohnung verließ bereits die 30°C Marke überschritten hatten und mit drückender Schwüle einhergingen, zog es mich entgegen meinem sonstigen Bedürfnissen nach Sonne, Licht und Weitblick in die schattigen Schluchten des Böhmischen Nationalparks. Eine sehr gute Entscheidung, denn bereits als ich ins Tal der Dürrkamnitz einbog, wurde es angenehm kühl um mich herum. Zudem zog sich der Himmel langsam zu, so dass ich trotz des ersten Anstiegs über Stock und Stein nicht ganz so sehr in Schweiß ausbrach. Zudem konnte ich ja immer wieder kleinere Pausen zum Fotografieren einlegen.

Stetig leicht bergan führt mich nun der schmale Pfad entlang in der engen grünen Schlucht und überall übergibt mich sattes Grün, Flechten, Moose und Farne – fast ein bisschen wie im tropischen Regenwald fühlt man sich bei diesen Temperaturen und genau wie dort, fallen auch hier nun leider einige Regentropfen. Ich hoffe, dass es nicht allzu nass wird und stapfe unverdrossen weiter.

Der Weg nach Janov ist mit einem gelben Zeichen versehen und so quere ich die Dürrkamnitz über eine kleine Holzbrücke und steige am gegenüberliegenden Hang weiter bergan. Trotz der Trockenheit andernorts ist der Wald hier saftig grün und sogar einige Pilze kann ich mitten auf dem Weg entdecken. Ich begnüge mich diesmal jedoch damit, diese zu fotografieren und laufe weiter durch den leichten Nieselregen. Dabei verliere ich irgendwann den richtigen Pfad, gelange ins nächstgelegene Bachtal des Erbischbachs und muss mich nun plötzlich durch ein Wirrwar aus geschlagenen Fichten über dem Weg durchschlagen, das immer dichter wird.

Irgendwann jedoch komme ich wieder auf einen ordentlichen Waldweg und kann bald darauf die ersten, inzwischen wieder im Sonnenschein liegenden, Häuser von Janov auf der anderen Talseite sehen. Es ist ein uriges kleines Dörfchen, wie ich es aus Tschechien schon von so vielen Orten her kenne. Gepflegt und sauber stehen die kleinen Häuser – oft Umgebindehäuser – hier umgeben von herrlichen Bauerngärten, in denen es wunderschön blüht.

Da das Wetter nun scheinbar doch noch ganz gut durchhält, beschließe ich, nicht gleich die Straße direkt weiter hinunter nach Hřensko zu laufen, sondern die Runde noch ein Bisschen auszudehnen. So führt mich mein Weg wieder aus Janov hinaus und über den Golfplatz hinweg und in den nächsten Wald hinein. Im späten Nachmittagslicht genieße ich diesen sehr abwechslungsreichen Wanderweg, der mich schließlich in eine letzte Schlucht hinab führt – die Edmundsklamm.

Diese enge Schlucht, geschaffen durch den Bach Kamenice, ist bei Touristen wie Einheimischen gleichermaßen beliebt und auch recht bekannt, kann man sich hier doch ganz in aller Gemütlichkeit in einem Boot zwischen den engen Felswänden hindurch staken lassen. Unten im Bachtal angekommen muss ich mich jedoch sehr beeilen, denn das letzte Boot für den heutigen Tag legt bald darauf ab und ich möchte noch mit. Ich erreiche es noch gerade rechtzeitig und kann mit ein paar wenigen anderen Wanderern einsteigen. Leider spricht der Bootsmann nur tschechisch, aber ich genieße auch so, was ich um mich herum sehen kann.

Die letzten paar Hundert Meter geht es nun wieder zu Fuß voran und ich mache im herrlichen Abendlicht noch einige ganz und gar grüne Fotos, bevor es in Hřensko im „U Raka“, meiner Stammkneipe, ein schönes kaltes böhmisches Fassbier zur Abkühlung gibt…

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Mitte Juli, am wohl heißesten Sommerwochenende des Jahres, nahmen mich mein Fotofreund Kevin und seine Frau Antje mit Ihrem Camper mit zu einem ganz besonderen Ziel im Böhmischen Mittelgebirge.

Neben dem markanten Basaltkegeln des Oblík und des Mila erhebt sich hier auch der Raná 457 Meter über das ihn umgebende Hügelland.  An seiner südlichen Flanke erstreckt sich bereits seit 1936 ein Naturschutzgebiet, an dessen begrünten Abhängen die einst typische Beweidung durch Schafen schrittweise wieder eingeführt wurde. Dies fördert den Erhalt geschützter Pflanzen, wie der Finger-Kuhschelle, der endemischen böhmischen Wiesen-Kuhschelle, dem echten Federgras und dem Steppenwildhafer. Diese Blütenpracht lockt wiederum ebenso seltene Tagfalter wie die Berghexe an, die man hier sehen und fotografieren kann.

Jetzt im Hochsommer ist die Hauptzeit der Blüte natürlich längst vergessen, aber dafür sind verschiedenste Disteln im abendlichen Gegenlicht ebenfalls ein schönes Motiv.

Wir sind ja auch eigentlich nicht wegen der tollen Vegetation hier, lockt uns doch ein ganz anderes Motiv hierher: Das einzigartige Vorkommen des Europäischen Ziesels. Dieses Nagetier aus der Familie der Hörnchen hat sein Hauptverbreitungsgebiet in den Steppen Südosteuropas. Hier am Raná lebt es an seiner absoluten nördlichen Populationsgrenze. Ein weiteres, heute erloschenes Vorkommen war bis in die 1950er Jahre nur noch aus dem Osterzgebirge bekannt.

Diese possierlichen Tierchen sind sogar recht zutraulich und flitzen auf der Suche nach wohlschmeckenden Blüten und Kräutern emsig auf dem kleinen Campingplatz umher, auf dem wir heute übernachten werden. Wehe jedoch, wenn man versucht sie zu fotografieren, dann ertönen weithin ihre schrillen Pfiffe und alle Ziesel sind plötzlich verschwunden. Dann heißt es sich in Geduld zu üben und in der Wiese voller dornenbewehrter Pflanzen liegend auszuharren, bis sie wieder ihre Nasen aus dem Bau recken.

Leider gehöre ich allerdings nicht zur geduldigsten Sorte Naturfotografen und bei 33°C auf dem Bauch in stacheligem Bewuchs herumzuliegen wird definitiv auch  nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung. Und so habe ich (ganz im Gegensatz zum leiderprobten Kevin) dann auch auch nur ein paar klägliche Fotos zu bieten, auf denen man die kleinen Nager mit der Lupe suchen muss. Nichtsdestotrotz war es ein wunderschönes Erlebnis, diese Tiere einmal in freier Natur zu erleben. Deshalb nochmal ein ganz dickes DANKE an Euch, Kevin und Antje, dass ihr mir dies ermöglicht habt!

Der Berg Raná wird aber nicht nur von Naturfotografen gern besucht, die waldfreien Hänge sind auch für Drachen- und Fallschirmfliegern sowie für Modellflugzeug-Freunde aus ganz Nordböhmen ein beliebtes Ziel. Wir konnten einer Gruppe Anfänger bei ihren ersten Flugversuchen ebenso zuschauen, wie den Erfahrenen Fliegern, die trotz der schweißtreibenden Temperaturen ihre schweren Packsäcke auf den Gipfel schleppten und dann ihre Kreise im Abendwind zogen. Hach ja, das wäre auch mal was für mich…

Es war ein sehr interessanter Ausflug, der auf jeden Fall dazu verlockt, an einem nicht ganz so heißen Tag wiederzukommen und auch einmal auf den Gipfel des Raná zu steigen, was uns an diesem Wochenende einfach zu heiß war.

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Neulich auf meiner Lieblingswiese. Seit Tagen war es kalt und die Sonne zeigte sich nur manchmal für ein kurzes Stelldichein. Aber nun brannte sie nachmittags förmlich auf die Wiese. Ich hatte eigentlich nicht gedacht, dass ich lange auf meiner Wiese bleiben würde, wollte eigentlich nur mal schauen, ob es trotz der Dürre ein paar Himbeeren zu pflücken gibt oder ob der alte Wildkirschbaum wieder Erwarten doch noch ein letztes Mal Früchte trägt – aber leider gab es weder Himbeeren noch Kirschen. Durch die andauernde Trockenheit gab es kaum eine Blüte auf der Wiese und war auch das Gras war ziemlich verdörrt. Trotz alledem umschwirrten mich hunderte von Schmetterlingen, die Sommerboten schlechthin. Vor allem die hübschen kleinen Dickkopffalter waren sehr zahlreich und tummelten sich vor allem in den gerade blühenden Brombeersträuchern. Daneben gab es die scheuen Schachbrett-Falter, die sich kaum einmal irgendwo für ein paar Sekunden in meiner Nähe niederließen und ab und an sah ich in den Büschen einen Braunen Waldvogel.

Obwohl es sicher leichter und erfolgreicher ist, Schmetterlinge früh am Morgen zu fotografieren, wenn sie noch unbeweglich von der kühlen Nachtluft an den Gräsern hängen, macht es mir meist mehr Spaß, ihnen am Tage hinterher zu haschen, wenn sie wie bunte Sommergeister zwischen den Blüten umherflattern. Das hat irgendwie etwas von unbeschwerten Kindertagen auf dem Land und macht mich einfach glücklich.