Norwegen

~ Solotour im Rondane Nationalpark – Tag 6 ~

Datum:     Samstag, 17.10.2009
Wetter:     -5 °C, sonnig

Halbzeit! Als ich wie immer mit der Morgendämmerung aus den Daunen steige, hat sich der Sturm endlich gelegt. Es ist nur noch etwas windig und ein zartes Morgenrot kündigt einen schönen Tag an. Pastellfarben geht die blaue Stunde in den Tag über und so vergehen die nächsten anderthalb Stunden mit fotografieren…

So schön die Bergwelt hier auch ist, nun habe ich sie oft genug fotografiert. Ich stelle fest, dass ich durch die vergangenen Auto-Fototouren in den Dolomiten und in Osteuropa mit meinem Fotofreund Andreas inzwischen schon ein wenig verwöhnt bin, was die Motivvielfalt betrifft. Überhaupt muss ich mich wieder daran gewöhnen, so langsam unterwegs zu sein. Besonders gut in Form bin ich ja nun nicht und der schwere Rucksack bremst mich zusätzlich aus.

Gegen halb 10, als ich wieder an meinem Schlafplatz ankomme, strahlt die Sonne schon kräftig vom blauen Himmel. Zum Frühstück, was wieder einmal aus dem obligatorischen Müsliriegel besteht, lasse ich sie mir wärmend ins Gesicht scheinen. Als Bauchwärmer gibt es heute ein Gemisch aus Cappuccino und Kakao – sehr lecker! Ich bin unglaublich froh, dass mein Kocher so zuverlässig seinen Dienst tut und dank fließendem Wasser, das mir hier eigentlich immer zur Verfügung steht, kann ich auch gut mit meinen Brennstoffvorräten haushalten, da ich keinen Schnee schmelzen muss. Nur an die, durch die Huminstoffe rostbraune Farbe des „Trinkwassers“ muss ich mich etwas gewöhnen. 😉

Heute möchte weiter der Ula hinab folgen und breche mein Zelt so gegen halb 11 ab. Aber entgegen aller Planung komme ich auch heute wieder einmal kaum voran, zu zahlreich sind die Motive am Wegrand. Genau, wie es mir die Norwegerinnen am ersten Tag gesagt haben – dies ist das schönste Teilstück entlang des kleinen Flüsschens. Ständig ergeben sich neue Motive, die mich meinen Rucksack abstellen lassen: kleine Stromschnellen, Eisgebilde in unterschiedlichsten Strukturen und Formen, Gischt und verschneite Ufer…

Als ich dann an einer kleinen Brücke ein wunderschönes Plätzchen finde, beschließe ich, einfach hier zu bleiben, obwohl ich heut kaum nennenswert vorangekommen bin. Sogar einen eigenen „Sessel“ habe ich hier unmittelbar neben dem Zelt – welch ein Luxus! So wird schnell das Lager hergerichtet und dann koche ich mir noch einen heißen Cappuchino, den ich gemütlich in der Sonne sitzend genieße.

Die nächsten Stunden verbringe ich dann wieder fotografierend im Bachtal der Ula. Durch den Sucher der Kamera ergeben sich immer wieder neue faszinierende Einblicke in den Mikrokosmos aus Eiszapfen, Eiswülsten, Gischt, fließendem Wasser und Stein. Mit der Kamera „malen“ kann ich nirgends so gut, wie an einem kleinen naturbelassenen Bächlein. Ich vergesse einfach alles um mich herum beim Spiel mit Licht, Farben und Formen…

Hungrig genieße ich dann abends im Zelt meinen Reistopf, langsam und genießerisch. Ich merke, dass die kappen Essensrationen (ein Müsliriegel oder eine Handvoll Studentenfutter am Morgen, über den Tag ein paar Schokobonbons und abends eine Nudel- oder Reispackung) so langsam echt an die Nerven gehen. Aber ich hätte beim besten Willen nicht mehr in meinen Rucksack hineinbekommen – und schließlich habe ich ja auch nichts gegen ein paar Kilo weniger auf den Hüften.

Die lange Nacht verschlafe ich tief und fest – trotz des lauten Rauschens der Ula unter mir. Noch eine ganze Weile danach, kann ich zuhause von diesem ausgeschlafenen Zustand zehren, denn dort bleibe ich eigentlich fast immer viel zu lange auf und bekomme selten so viel gesunden Schlaf.

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