Trekking im Rondane-Gebirge

~ Tag 8 ~

Datum: Samstag, 22. Oktober 2011
Wetter: meist bedeckt, 5 °C

Tageskilometer: 16,5 km (Grimsdalen – Grimsdalshytta)
Reine Gehzeit: 03:43:19
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 4,4 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit mit Pausen: 3,1 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 225 m / 63 m
Minimale/Maximale Höhe: 831 m / 995 m

Unterkunft: DNT-Hütte Grimsdalshytta

Als ich am Morgen gegen 7.15 Uhr leise aus dem Zelt schlüpfe, um Micha nicht zu wecken, ist schon ein leichter rosa Schimmer am östlichen Horizont zu erkennen, aber zum Fotografieren ist es noch zu dunkel. Das Thermometer am Zelt zeigt – 4 °C an und die Luft ist frostig klar. Ich gehe erst einmal los, um Wasser an einem kleinen Bächlein zu holen, an dem wir gestern Abend vorbei gekommen sind. Als die Sonne den Himmel gegen acht schließlich in Flammen setzt, nehme ich die Kamera und mache einige Aufnahmen.

Als ich danach das Wasser auf den Kocher setze, kommt auch Micha aus dem Zelt und wir Frühstücken zusammen Trockenobst mit Kakao, der wunderbar die beim Fotografieren fast erfrorenen Finger wärmt. Danach wird das Camp abgebaut, was inzwischen ziemlich fix geht, da nun jeder geübt ist, die tausend Dinge an den richtigen Fleck im Rucksack zu stopfen, damit dieser sich auch schließen lässt.

Unser heutiger Weg führt uns nun weiter durchs Grimsdalen. 17 Kilometer haben wir vor uns, wenn wir heute Abend wieder den Luxus einer Hütte genießen wollen – und das steht natürlich außer Frage. Anfangs ist das Tal auch noch schön abwechslungsreich, bald wird es aber schlicht langweilig. Der Herbst ist eindeutig vorbei und kein einziger farbiger Laubfleck zeigt sich mehr in den kahlen Birkenwäldchen. Da sich die Sonne hinter dicken Wolkenschleiern verzieht, wirkt die ganze Landschaft nur noch trist und graubraun. So ist das Laufen bald einfach nur noch öde. Wir haben deshalb die Hoffnung, dass wir vielleicht ein Stück trampen können, aber von den einzigen vier Autos, die uns heute begegnen, nimmt uns leider niemand mit.

Gegen Mittag zeigt sich endlich mal wieder ein Stückchen blauer Himmel und so machen wir an einem schönen Flecken direkt an der Grimse eine kleine Rast. Wir essen ein paar Kekse und trinken einen Becher Cappuchino, den ich gleich zum Händewärmen benutze, denn kaum bleiben wir stehen, wird mir durch den Wind wieder eisekalt.

Da es so kalt ist, gehen wir bald darauf weiter, die Hütte mit einem warmen Ofen lockt umso mehr. Doch der Weg zieht sich schier ewig in die Länge. Da es nichts interessantes zu schauen gibt und sich die Schotterpiste so weit einsehen lässt – scheint es, als kommt man rein gar nicht von der Stelle. Die Rucksäcke werden schwer und wir haben keine Lust, uns zu unterhalten. So ziehen wir dann schweigend und jeder in seine eigenen Gedanken versunken dahin.

Gegen halb vier machen wir in der Ferne dann endlich die Grimsdalshytta aus, die am Hang gelegen, noch einen kleinen Anstieg vor dem Ziel bereithält. Aber das schaffen wir dann auch noch und stehen bald vor einer weiteren urigen DNT-Hütte.

Auch hier ist das Haupthaus zu dieser Jahreszeit verlassen und wir sind froh über den DNT-Schlüssel, mit welchem wir die Selbstversorgerhütte nutzen können. Wir sind die einzigen Gäste, so dass wir diese geräumige Hütte auch wieder ganz für uns allein haben.

Wir beziehen einen kleinen Schlafraum gegenüber der Küche und Micha macht draußen etwas Anzündeholz für den Ofen. Schnell brennt dann darin auch ein gemütliches Feuerchen, das die Hände wärmt und bald darauf wohlige Wärme in der Hütte verbreitet. Ein heißes Getränk, das die Lebensgeister weckt und schon ist die Welt wieder in Ordnung.

Während ich es mir in der Küche gemütlich mache und mein Tagebuch schreibe, geht Micha noch ein Weilchen nach draußen, um sich die Umgebung der etwas genauer Hütte anzuschauen. Zum Abend hin, hält es mich ebenfalls nicht mehr drinnen und ich beschließe, mir den Sonnenuntergang von einer nahe gelegenen Anhöhe, der Kattuglehøe (1553 m) aus, anzusehen.

Die Aussicht von hier oben erstreckt sich weit über das Grimsdalen und die umliegenden Berge der Rondane- und Dovre-Nationalparks. Auf dem Gipfelplateau sind unzählige Steinmännchen errichtet worden, die jetzt am Abend als Silhouette gegen den Himmel mit ein Bisschen Phantasie wie versteinerte Trolle aussehen.

Einen umwerfenden Sonnenuntergang habe ich bei der dichten Bewölkung nicht erwartet und so bin ich auch nicht enttäuscht, dass sich nur kurz ein Hauch von Rosa über die Wolken zieht, bevor die Sonne hinter den Bergen verschwindet.

Als ich um kurz nach sechs wieder in der warmen Hütte ankomme, setzen wir Wasser auf und können uns anschließend beide gründlich Körper und Haare waschen – welch ein Luxus nach drei Tagen mit notgedrungener „Katzenwäsche“. Zum Abendbrot gibt es eine Suppe und Spaghetti Carbonara. Danach geht Micha schlafen, während ich noch eine ganze Weile in der Küche am bollernden Ofen sitze und bei Kerzenlicht lese, bis ich zu müde werde und mich ebenfalls ins Bett begebe.

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