Osterpaddeln in Mecklenburg

~ Tag 4 ~

Datum: Donnerstag, 08.04.2010
Wetter: sonnig, ca. 17°C

Paddelstrecke: 11 km (Schwanehavel – Obere Havel – Drewensee – Finowsee – Obere Havel-Wasserstraße – Wangnitzsee – Bülowwerder)
Reine Paddelzeit: 02:45:27
Pausen: 01:50:14
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen:  4 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit mit Pausen:  2,4 km/h

Unterkunft: Camp

Der erste Blick am Morgen aus der Kohte hinaus verspricht auch heute wir wieder einen wunderschönen Frühlingstag. Die Sonne scheint bereits verlockend vom blauen Himmel und so schlüpfen wir hinaus ins Freie und beginnen mit den Frühstücksvorbereitungen. Micha macht wie jeden Morgen Bannock und Kaffee, während ich beginne, die Schlafsäcke in die Sonne hänge und beginne, die ersten Sachen zusammen zu packen.

Wir lassen uns wieder Zeit und frühstücken ausgiebig in der warmen Sonne. Das frische Pfannenbrot haben wir heute mit Käse überbacken und es ist wieder einmal grandios lecker – knusprig und locker. Nach dem Frühstück waschen wir das Geschirr im Wasser der Schwanehavel und während wir das Camp beräumen, trocknet es in der Sonne. Gegen Mittag sind wir startklar und wir können für die nächsten drei Kilometer die schöne Schwanehavel entlang paddeln.

Hier auf dem kleinen Wasserarm müssen wir wieder sehr aufpassen, denn viele umgestürzte, dicht über der Wasseroberfläche hängende Bäume, die in Nordamerika Sweeper (= Kehrer) genannt werden, können einem schnell mal gefährlich werden, was ich heute am eigenen Leib erfahren muss.
Trotz der geringen Fließgeschwindigkeit der Schwanehavel, kann man bei einem solchen Hindernis nicht einfach bremsen und als ich mich unversehens nach einer Kurve direkt in Augenhöhe auf einen solchen Baumstamm zutreiben sah, meinte ich kurz, das Zeitliche segnen zu müssen. Vor Schreck wusste ich gleich gar nicht, wie ich reagieren soll. Zuerst wollte ich mich an dem Stamm festhalten und das Boot damit erstmal zum stehen bringen, merkte aber schnell, dass ich gegen die Kraft des Wassers nichts ausrichten kann, so sehr drückte es uns weiter. Durch die Sitzlehne konnte ich mich letztlich nur mit Not soweit nach hinten lehnen, dass ich mich unversehrt, bis auf eine Schramme am Arm darunter hindurch quetschen konnte. Auch Micha hinten im Boot kam dann heil wieder auf der anderen Seite hervor und zum Glück hat auch das Boot selbst keine Schrammen abbekommen.

Überall grünt und sprießt die Natur nach dem langen Winter nun wieder in satten, frischen Farben aus dem graubraun verwelktem Gras des Vorjahres und die Sonne lässt im Gegenlicht die Strukturen herrlich aufleuchten.

Die Schwanehavel lässt sich wunderschön paddeln und ist für mich der schönste Abschnitt auf unserer kleinen Runde durch die Mecklenburger Seenplatte.

Streckenweise kann ich mich heute einfach mal treiben lassen, das Paddel beiseite und die Beine hoch legen und einfach nur genießen, während Micha hinten paddelt und mich sozusagen durch die Schwanehavel chauffiert. So kann ich in aller Ruhe fotografieren und die Seele baumeln lassen. Herrlich!

Einmal haben wir sogar ganze Zeit lang einen kleinen Lotsen, der uns voran den Wasserweg sichert, bis wir im dann wohl doch zu dicht auffahren und er vom Schiffahrts- zum Fluglotsentum überwechselt. Leider können wir ihm dann nicht mehr folgen und gleiten so wieder allein dahin. 😉

Leider ist die Schwanehavel nicht sehr lang und so münden wir schon eine Stunde später in die Obere Havel ein, auf der es dann gen Osten in Richtung Drewen-, bzw. Finowsee weitergeht. Da die Havel auch mit motorisierten Booten befahren werden darf, ist es mit der beschaulichen Ruhe zunächst einmal vorbei, aber wir bleiben hier ja nicht lang und soo viel Verkehr ist ja nun dann auch wieder nicht.

Auf dem Drewensee können wir sogar einen Schwarzmilan beobachten und fotografieren, der einen beachtlichen Fisch erbeutet hat. Auch ein Erlebnis, das ich vorher noch nicht hatte und das sich zu all den bemerkenswerten Kleinigkeiten hinzufügt, die letztlich in Erinnerung bleiben werden. Leider hat der Gute Pech, denn er verliert den großen Brocken wieder – wer weiß, wer sich vielleicht über den „fliegenden Fisch“ gewundert hat. 😉

Weiter geht es über den Finowsee in die Obere Havel-Wasserstraße und schließlich auf den Wangnitzsee. Hier, auf der voraus liegenden Insel Bülowwerder wollen wir heute unser letztes Camp aufschlagen, aber da es erst kurz nach drei ist, drehen wir zunächst noch eine Runde auf dem See. Wir legen auf Buchwerder an, machen einen kleinen Spaziergang durch den Wald und anschließend erkunden wir noch eine weitere, winzige Insel, auf der wir ein hübsches kleines Schwanen-, oder Gänsegelege (so genau kenne ich mich da leider nicht aus, aber die Eier waren recht groß) entdecken.

Gegen fünf Uhr schließlich, paddeln wir auf die Insel Bülowwerder und schlagen dort unser letztes Nachtlager auf. Die Handgriffe sind inzwischen gut geübt. Jeder weiß, was er zu tun hat, und so ist unser Camp schon kurz darauf fertig eingerichtet. Wir erkunden dann noch die kleine Insel, sammeln dabei etwas Totholz für´s Feuer und können den Nachmittag schließlich mit Kaffeetrinken, Fotografieren und in der Sonne dösend ganz geruhsam ausklingen lassen.

Als es am Abend dann wieder ziemlich frisch wird, nehmen wir etwas Glut mit in die Kohte, entzünden dort ein kleines Kochfeuer und bereiten unser Abendessen zu.  Gegen 22 Uhr kuscheln wir uns in die Schlafsäcke und sind bald darauf eingeschlafen.

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