Trekking im Rondane-Gebirge

~ Tag 11 ~

Datum: Dienstag, 25. Oktober 2011
Wetter: morgens Nebel, später sonnig, 5°C

Tageskilometer: 15,1 km + 9 km getrampt (Otta – Mysusæter – Rondvassbu)
Reine Gehzeit: 03:38:29
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 4,2 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit mit Pausen: 2,0 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 496 m / 200 m
Minimale/Maximale Höhe: 871 m / 1244 m

Unterkunft: DNT-Hütte Rondvassbu

Gegen 8 Uhr am Morgen krieche ich wie immer als erste aus dem Zelt und schaue aufs Thermometer: 3 °C zeigt es an – kein Wunder also, dass mir heute Nacht so warm gewesen ist! Da an unserer Straßenkehre sogar eine Bank mit Tisch steht, bringe ich alles was wir für unser Frühstück benötigen dort hin und werfe den Kocher an. Micha kommt ebenfalls hinaus und so können wir wenig später mit Blick auf das unter uns liegende Otta frühstücken. Heute gibt es mal kein Knäckebrot – sondern „frische“ Brötchen von gestern mit Schmelzkäse aus der Tube.

Anschließend packen wir alles zusammen und stehen abfahrtbereit an der Straße. Während ich noch ein paar Zeilen in mein Tagebuch schreibe, hält Micha schon mal den Daumen raus. Obwohl, eigentlich ja nicht, denn es kommt einfach kein Auto vorbei. Niemand außer uns will scheinbar in die Berge hinauf. Ich sehe uns schon noch am Abend hier stehen, aber wir haben absolut keine Lust, uns knappe zehn Kilometer diese langweilige Serpentinenstraße hinauf zu quälen. Deshalb hoffen wir einfach weiter auf einen Hike.

Aber letztlich haben wir dann doch Glück, denn kurz nach zehn Uhr nimmt uns ein Mann in seinem Bus mit hinauf nach Mysusæter. Dort angekommen, stehen wir – wie schon zu Beginn unserer Reise – wieder einmal mitten im Nebel und sehen von den umliegenden Bergen rein gar nichts. Aber was soll´s, wir schultern die Rucksäcke und stapfen los.

Etwa am Ortsausgang von Mysusæter lichtet sich der Nebel für einen Moment und wir können einen kurzen Blick auf die umgebenden, schneebedeckten Berge erhaschen, bevor sich die weiße Wand um uns herum umso dichter zusammen zieht und wir wiederum durchs weiße Nichts laufen.

Da der Weg von nun an stets leicht ansteigt, schließt sich die dicke Nebelwand nur umso dichter um uns herum. Ich wäre eigentlich gern noch einmal auf „meinem“ dem Trampelpfad von 2009 entlang der Ula bis nach Spranget gelaufen, aber Micha hat dazu bei dem dicken Nebel um uns herum keine Lust. Also bleiben wir auf dem Rondanevegen gen Rondvassbu.

Irgendwann nach ungefähr zwei Stunden monotonen Dahintrottens werfen wir die Rucksäcke ab und wollen eine kleine Rast einlegen, um etwas Heißes zu trinken und ein paar Nüsse zu knabbern, als sich plötzlich innerhalb von zwei, drei Minuten der Nebel um uns herum lichtet und den Blick auf das grandios herausgeputzte Bergpanorama freigibt. Als sich dann auch noch ein Nebelbogen vor uns bildet, ist das Essen erst einmal gestrichen und Fotografieren angesagt. Leider reicht die Zeit nur für ein einziges Panorama, bevor der Nebelbogen sich in der Sonne, ebenso plötzlich wie der Nebel selbst, wieder auflöst.

Jetzt, mit ungleich besserer Laune bei diesem herrlichen Sonnenschein, essen wir doch noch einen Happen und trinken unseren Cappuccino. Es wird nun in der Sonne richtig warm und der Raureif auf Gräsern und Sträuchern schmilzt so schnell dahin, dass man fast dabei zuschauen kann. Überhaupt hat die Sonne hier in der letzten Woche ganze Arbeit geleistet. Im Fjell liegt kaum noch ein Krümel Schnee, nur die Berggipfel tragen noch Weiß – kaum ein Vergleich zu den Tagen nach unserer Anreise.

Nach dieser stärkenden kleinen Rast geht es umso beschwingter weiter und schon bald können wir winzig klein am Horizont die roten Hütten von Rondvassbu entdecken. Bei diesem strahlenden Sonnenschein entdecke ich jedoch auch ein Motiv nach dem nächsten, das ich fotografieren möchte. Und da ich deshalb dauernd stehenbleibe, geht Micha schon einmal vorneweg zur Hütte. Ich lasse mir dagegen alle Zeit der Welt. Irgendwie ist es ganz gut, mal alleine zu sein, denn die drückende Stimmung und das Schweigen zwischen uns schlagen mir ziemlich aufs Gemüt.

Als kristallblaues Band schlängelt sich unter mir die Ula in zahllosen Mäandern durch das, wie ein bunter Flickenteppich aussehende, Fjell. Einmal mehr bin ich in den Bann gezogen durch diese karge, nordische Landschaft, die meinen Blick so weit über die Hochebene schweifen lässt. Durch den Sucher der Kamera versuche ich, irgendwie die Essenz dieses Farbenspiels um mich herum einzufangen, um damit ein kleines Stück Fjell als Erinnerung mit nach Hause nehmen zu können.

So komme langsam aber sicher auch ich den Hütten von Rondvassbu näher, auch wenn ich, die Kamera stets in der Hand, immer neue Motive finde oder einfach nur so das herrliche Wetter genieße und vor mich hin bummele.

Als ich, sicher gut eine Stunde nach Micha, dann auch in der Rondvassbu ankomme, ist diese schon gemütlich warm und ein Topf Wasser köchelt auf dem Ofen … herrlich! So gibt es für jeden eine heiße Brühe und ein paar Kekse zum Vesper. Danach räume ich nur noch schnell meinen Schlafsack aus und packe ihn nach oben auf unser Nachtlager, bevor wir gegen halb fünf unsere Fotosachen schnappen und noch einmal raus gehen. Draußen ist noch immer strahlender Sonnenschein und wir wollen dieses herrliche Licht voll ausnutzen – es wird schließlich zeitig genug wieder dunkel. Also laufen wir ein gutes Stück des Rondanevegen noch einmal zurück, um dann zum Fotografieren auf eine kleinere Anhöhe zu steigen. Von dort aus hoffen wir auf einen schönen Sonnenuntergang hinter den Bergen.

Kurz darauf passiert es dann. Ich stelle das Stativ mit meinem Fotoapparat an dem abschüssigen Hang voller weicher Büsche nicht sicher genug ab und prompt kippt es mir um, als ich den Rucksack abstellen will. Die Kamera kracht bergab natürlich auf einen Stein statt ins weiche Moos zu fallen und mein Normalobjektiv, mit dem ich 95 Prozent meiner Fotos geschossen habe, ist Schrott. Aber ich habe dennoch Glück im Unglück: Wenigstens hat meine Nikon soweit ich das beurteilen kann, keinen Schaden genommen. Der herrliche Sonnenuntergang, den ich nun nur noch mit dem Tele oder Weitwinkel fotografieren kann, tröstet mich nicht wirklich über den Verlust meiner Lieblingsoptik hinweg.

Nachdem die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, gehen wir zügig wieder zurück zur Hütte, denn es wird schnell richtig kalt. Da der Abend noch lang und die Hütte angenehm warm ist, machen wir anschließend Waschwasser heiß und können uns so wieder einmal gründlich reinigen.

Zum Abendbrot gibt es dann ein mexikanisches Reisgericht mit roten Bohnen und dazu Fiskekaker – eine ungewohnte, aber dennoch leckere Kombination. Danach spielen wir noch eine Weile Kniffel, bis Micha schlafen geht. Ich sitze danach noch gemütlich beim Kerzenschein, lege ab und an einen Scheit Holz in den Ofen und lese weiter in meinem Buch. Bevor auch ich schlafen gehe, muss ich noch einmal hinaus um die Ecke ans stille Örtchen. Das Thermometer, das wir außen an die Hütte gehängt haben, zeigt – 2 °C und der Himmel ist sternenklar. Es wird sicher wieder frostig kalt die Nacht…

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