Böhmerwald

~ Tag 6 ~

Datum: Montag, 21. Oktober 2013
Wetter: wechselnd bewölkt, 15°C

Unterkunft: Penzion Dvorec in Nová Hůrka

Auch am heutigen Morgen lockt uns das Wetter leider nicht zum zeitigen Fotografieren hinaus. Es ist zwar vereinzelt ein blaues Stückchen Himmel zu sehen, doch ohne Nebel oder Raureif etwas zu eintönig, zumal hier im Böhmerwald die großen Aussichtspunkte über die Landschaft fehlen.

Ich stehe dennoch um kurz nach 7 Uhr auf und setze mich mit einer Tasse Kaffe in die Küche zum Tagebuchschreiben und Lesen, bis Andreas ausgeschlafen hat. Gegen 8 Uhr kommt unsere Pensionswirtin und bereitet unser Frühstück vor, was wir uns, nachdem jetzt auch Andreas aufgestanden ist, schmecken lassen.

Heute wollen wir einmal nicht mit dem Auto los, sondern eine kleine Wanderung unternehmen, die gleich an unserer Herberge beginnt. Zunächst müssen wir zwar noch rund zwei Kilometer der Straße entlang folgen, doch dann zweigt unser grün markierter Wanderweg ins Moor hinein ab. Bald schon locken ein paar strahlend rote Fliegenpilze als Motiv, aber insgesamt wirkt die Landschaft durch die zunehmenden Schleierwolken eher trist.

Wir machen eine kleine Rast und laufen dann weiter hinein in eine Heidelandschaft, die eine eigentümlich melancholische Stimmung aufkommen lässt. Fast fühlt man hier, wie die Natur sich für den harten Winter wappnet. Es tut uns beiden auch ganz gut, mal wieder ein paar Schritte mehr zu laufen, nur unser schweres Fotogepäck stört dabei ein Bisschen.

Das moorige Hochplateau, auf dem wir uns nun befinden, wollen wir eigentlich gemäß unserer Karte am Waldrand entlang umrunden, doch schon zu Beginn führt der einzig verfügbare Pfad uns in den dichten Fichtenwald hinein. Dieser bietet jedoch mit all seinen Flechten und Moosen an den Stämmen, die die Bäume fast gänzlich grün wirken lassen, noch einmal ein paar schöne Motive.

Nun beginnt sich der Weg jedoch langsam in die Länge zu ziehen und die zahllosen Forstwege, auf denen wir bald nicht mehr genau wissen, wo wir uns befinden, führen uns kreuz und quer durch den Wald – nur leider nie in die richtige Richtung, nach Süden und zurück zur Unterkunft! Schließlich verliert sich der Pfad, dem wir gerade folgen gänzlich und nach einem kleinen Streit über die weitere Marschrichtung schlagen wir uns schließlich gänzlich ohne Weg und Steg quer durch den Wald. Mit jedem Schritt, den wir in Richtung der Straße nehmen, wird es feuchter um uns herum und irgendwann müssen wir auch noch einen Bachlauf mitten im Moor queren.

Unser „Weg“ führt uns anschließend noch eine ganze zeitlang weiter durch sumpfige Stellen, die wir nur auf Bulten (größeren Grasbüscheln) balancierend überqueren können. Trotzdem sind unsere Schuhe inzwischen vollends durchgeweicht und das Wasser quatscht zwischen unseren Socken. Ein kleiner Lichtblick in der anstrengenden Quälerei durch den Morast ist mein Fund einer abgeworfenen Damhirsch-Schaufel, welche sich Andreas anschließend auch mit nach Hause nimmt.

Nach einer kleinen Verschnaufpause geht es nun zwar leicht ansteigend, aber dafür wenigstens endlich wieder auf trockenem Untergrund weiter. Das letzte Stück bevor wir wieder auf die Straße zur Herberge treffen, dürfen wir sogar erholsam auf einem Forstweg zurücklegen.

In unserer Pension angekommen, hole ich uns nur kurz etwas zu essen und mache eine Thermoskanne voll heißem Wasser für Cappuccino, dann setzen wir uns wieder ins Auto und wollen uns irgendwo eine schöne Bank mit Aussicht zum Vespern suchen. Wir fahren schließlich bis Hartmanice und biegen dort in eine wunderschöne kleine Panoramastraße in Richtung der Stelle ein, an welcher heute Morgen unser Umkehrpunkt auf der Wanderung war. Als nun sogar noch einmal die Sonne herauskommt, können wir noch ein paar bunte Herbstlaub-Fotos auf den Chip bannen.

Nach einer Kreuzung ist das letzte Stück der tollen Straße gesperrt, aber wir fahren dennoch hindurch und hoffen einfach, dass niemand uns sieht. An einer kleinen Kapelle mit Blick über die Hochebene machen wir nun, schon fast am Abend, endlich unsere Kaffeepause.

Da es inzwischen wieder an Licht mangelt und demzufolge auch kein Sonnenuntergang zum Fotografieren lockt, fahren wir wieder zurück zu unserer Herberge. Morgen heißt es, wieder zurück in Richtung Heimat zu fahren, deshalb packen wir schon einmal unsere Sachen zusammen, bevor wir hier ein letztes gemütliches Abendbrot verspeisen.

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