Mit dem Fahrrad einmal rund um Rügen

~ Tag 3 ~

Datum: Mittwoch, 27.04.2011
Wetter: 18 °C, sonnig, stürmischer Wind aus Nordost

Tageskilometer: 50,9 km (Kap Arkona – Altenkirchen – Glowe – Sagard – Neu Mukran)
Reine Fahrtzeit: 03:30:45
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 14,5 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit mit Pausen:  5,7 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 367 m / 411 m
Minimale/Maximale Höhe: 0 m / 75 m

Unterkunft: Zelt

Schon kurz nach halb 6 werde ich aus reiner Gewohnheit wach. Ich stecke kurz den Kopf aus dem Zelt, gerade zum richtigen Zeitpunkt, um zu sehen, wie die Sonne langsam über den Horizont steigt.

Ich verspüre jedoch noch keine so rechte Lust aufzustehen und schlafe noch ein Weilchen weiter. Kurz nach 8 Uhr treibt es mich aber doch hinaus in den heute recht windigen Morgen und packe zunächst einmal den Großteil meiner Sachen zusammen. Anschließend suche ich mir ein halbwegs windgeschütztes Plätzchen, um mir mein Frühstück zuzubereiten: Cappuccino, Körnerbrötchen & Weintrauben. Gegen 10 Uhr kann ich dann wieder starten. Es geht los zum Kap Arkona, das ist ja gleich um die Ecke. Unterwegs komme ich noch an einer Art Totempfahl an einem Aussichtspunkt vorbei – eine wirklich schöne Schnitzarbeit mit tollen Adlermotiven.

Am Kap Arkona gibt es dann zwei Leuchttürme und einige Ausstellungsstücke wie verschiedene Bojen oder ein altes Rettungsboot der Küstenwache zu besichtigen. Leider ist der Wall der slawischen Jaromarsburg jedoch gerade wegen Sanierungsarbeiten gesperrt und ich kann nicht hinauf.

Ich halte mich hier am Kap allerdings nicht sehr lange und sitze bald wieder im Sattel. Da die Akkus von meinem GPS-Gerät leer sind, mache ich zunächst einen kleinen Abstecher in den Ort Altenkirchen hinein, um dort Ersatzbattarien und etwas Essbares zu kaufen.

Weiter geht es anschließend über die Schaabe, eine fast 12 km lange Nehrung, welche die Halbinsel Wittow mit Jasmund verbindet. Bestanden ist sie von einem lichtem Kiefernwald, dessen Duft in mir immer Erinnerungen an Kindertage hervorruft. Aufgewachsen als Försterstochter in der Lausitz, DEM Kiefernforstgebiet, umgab mich dieser Duft nach Kiefernharz im Wald an vielen Tagen beim Blaubeeren sammeln oder Pilze suchen im Wald…

Kurz hinter Juliusruh gelange ich auf einem kleinen Weg durch den Kiefernwald über die Düne hinunter zum Strand. Badewetter ist es noch nicht, zumal der Wind heute wirklich ziemlich stürmisch ist. Dennoch genießen schon recht viele Urlauber einen Spaziergang am Meer. Ich setze mich ebenfalls eine Weile in den Sand, schreibe Tagebuch und lasse die Seele baumeln.

Eigentlich wollte ich heute einen kompletten Strandtag machen, eventuell sogar hier irgendwo übernachten. Der Strand ist auch schön sandig und fast weiß, aber es gibt kaum Muscheln oder schöne Steine, nur schwarze „Algenpampe“ im Überfluss. So unernehme ich noch zwei weitere Abstecher vom Radweg aus an den Strand, aber die Mühe, das schwere Rad durch den Sand die Dünen hinauf zu schieben, lohnt sich nicht, denn ein schönes ruhiges Plätzchen für mein Zelt am Abend findet sich nicht.

Alsoradele ich weiter durch den schönen Kiefernwald, auf einem alsphaltierten Radweg neben der Hauptstraße, der sich über zahlreiche kleine Hügel windet. In Glowe am Ende der Schaabe angekommen, esse ich ein Eis, schreibe ein paar Postkarten und plane, wohin ich heute weiterfahren will. Das Schöne an solchen Touren ist, dass man (abgesehen vom An- & Abreisetag) völlig frei ist, so viel oder wenig zu fahren, wie man will und sich treiben lassen kann, wohin man gerade Lust hat. ODER – und das war heute der Fall, wohin der WIND Lust hat! Dieser kommt mir in derart stürmischen Böen entgegengeweht, dass ich oft kaum von der Stelle komme. Ich wollte eigentlich weiter an der Küste entlang in Richtung Königstuhl fahren, aber die Halbinsel Jasmund ist (für mich Gelegheitsradfahrer) alles andere als eben und wenn man das Rad dann selbst schiebenderweise nicht mehr von der Stelle bekommt, heißt es wohl, dem Stärkeren weichen.

Nachdem es vergeblich versucht habe, mich das Rad gegen den Wind anschiebend weiter gen Osten zu bewegen, muss ich aufgeben und umkehren. Ich kan einfach nicht gegen den Wind an. Ich biege also gen Süden weiter ins Binnenland ab, wo der Wind nicht ganz so heftig haust. Da ich Stubbenkammer und Königstuhl von früheren Besuchen her bereits kenne und mit dem Rad dort sowieso nicht an den Strand kommen würde, schmerzt es mich nicht allzu sehr, diese Sehenswürdigkeit auszulassen – obwohl es schon ein toller Fleck von Rügen ist, wenn nicht der schönste.

Auf der Strecke zwischen Sagard und Neu Mukran, wo sich der Fährhafen Saanitz befindet, muss ich noch einmal ganz schön gegen den Wind kämpfen. Zeitweise wird mir arg unheimlich zumute, wenn ich von den Böen auf der Landstraße ohne Radweg hin und her geschoben werde, während gleichzeitig der Verkehr recht dicht an mir vorbeirollt. Aber ab dem Fährhafen Sassnitz kann ich dem Wind dann endlich endgültig (weitestgehend) den Rücken zukehren.

Von Neu Mukran aus fahre ich nur noch ein kleines Stück in Richtung Prora, bevor ich mein Zelt gegen 19.30 Uhr an einer etwas windgeschützten Stelle im Dünenwald aufstelle. Es ist dermaßen stürmisch und kalt, dass mein abendlicher Strandspaziergang nur äußerst kurz ausfällt. Mir ist einfach zu kalt und so krieche ich ziemlich bald in den warmen Schlafsack. Heute Abend gibt´s nur kalte Küche, ich habe keine Lust mehr draußen im Wind zu kochen. Der Tag war heute recht anstrengend und so schlafe ich nach ein paar gelesenen Buchseiten auch recht bald ein.

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