Ostseesommer

~ Tag 9 ~

Datum: Montag, 12. August 2013
Wetter: wechselhaft, 22°C

Tageskilometer: 33,3 km (Müggenburg – Zingst – Bresewitz – Pruchten – Barth – Glöwitz – Dabitz)
Reine Fahrtzeit: 03:32:40
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 9,4 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit mit Pausen: 3,0 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 142 m / 144 m
Minimale/Maximale Höhe: -4 m / 20 m

Unterkunft: Zelt

Der heutige Morgen beginnt für mich gegen halb 6 mit einem klingelnden Wecker, damit ich den Sonnenaufgang nicht verschlafe. Und es lohnt sich diesmal wirklich, so zeitig aufzustehen. Als die Sonne über den Horizont steigt, taucht sie den Strand in ein wunderschönes Licht und glitzert auf den nassen Steinen am Ufer. Sogar einen Regenbogen kann ich schon so früh am Morgen sehen. Ich mache einige Fotos und genieße diesen traumhaften Tagesanbruch ganz allein am stillen Strand.

Als das Licht schließlich nicht mehr ganz so schön ist und am Horizont ein paar dunkle Wolkenbänke auftauchen, wecke ich Johanna, damit wir unser Lager abbrechen können. Wir verpacken das meiste und auch das Zelt wird schon abgebaut, falls es anfangen sollte zu regnen. Da die Sonne aber noch immer vom Himmel strahlt, bereiten wir unser Frühstück vor. Ein paar hungrige Möwen, die Johanna anfüttert stellen sich auch gleich ein. Besonders eine davon spielt sich wie verrückt auf. Lautstark in schiefen Tönen krächzend, schreitet sie wichtigtuerisch vor den anderen Möwen hin und her, als wöllte sie sagen: „Schaut mal, wie toll ich bin. Ich habe das Futter ganz allein entdeckt!“ 😉 Letztlich ist sie dann so sehr damit beschäftigt, die anderen Möwen zu verscheuchen, dass sie selbst kaum einen Brocken Brot abbekommt.

Erneut zeigt sich ein toller Regenbogen über dem Meer und plötzlich – obwohl die Sonne noch über uns scheint – fängt es an zu regnen. Dabei haben wir doch gerade erst angefangen zu frühstücken!

Was wir auf die Schnelle vom „Frühstückstisch“ zusammenraffen können, retten wir vor der Nässe in die Radtaschen, doch vieles wird nass und der ganze Sand bleibt daran kleben, na toll! Schnell wird nun das Gepäck an den Rädern befestigt und dann suchen auch wir in einem Unterstand in der Nähe Schutz vor dem Regen. Dort setzen wir erst einmal unser Frühstück in aller Ruhe fort. Später, es ist inzwischen wieder trocken, fängt sich Johanna vor der Hütte ein ganzes Gewimmel von klitzekleinen Molchen, denen sie ein Gehege in unsere Brotdosen baut, während ich mein Tagebuch für zwei Tage nachtrage.

Als dann der Himmel ein weiteres Mal seine Schleusen öffnet, suchen eine Menge Radler ebenfalls in der Schutzhütte Zuflucht. Wir packen in der Zwischenzeit unsere Sachen zusammen, denn es ist bereits Mittag und so langsam sollten wir aufbrechen. Wir überlegen noch, ob wir nun zurück gen Wustrow, oder weiter gen Osten am landschaftlich eher langweiligen Bodden entlang radeln sollen, doch diese Entscheidung nimmt uns der Wind schnell ab, der uns bei der Rückfahrt über Zingst ziemlich stramm aus dem Westen entgegen weht. Die nächsten Tage soll es noch weiter auffrischen, weshalb wir schließlich die Insel gen Barth mit dem Wind und damit entlang der südlichen Boddenküste verlassen.

Schnell kommen wir auch heute nicht voran. Es locken bald wieder reife Füchte am Wegrand wie Brombeeren und Mirabellen zum Halten und Pflücken. Das Wetter bleibt nun zum Glück regenfrei, wenn auch der Himmel noch ziemlich stark bewölkt ist. Es ist bereits später Nachmittag, als wir in Barth angekommen. Dort halten wir kurz, um ein paar Lebensmittel einzukaufen und füllen die Wassersäcke frisch auf. Wieder auf Tour wird es bald Abend und die Sonne scheint ab und an wieder zaghaft unter den Wolken hervor. Dabei taucht sie die Landschaft in weiches Abendlicht, welche ganz entgegen unserer Befürchtung, gar nicht sooo langweilig ist – ja irgendwie idyllisch, dörflich ist – eine Gegend zum Leben.

An einer kleinen Rasthütte am Radweg mitten im Nirgendwo bauen wir dann bei herrlichem Sonnenuntergangslicht unser Zelt auf. Johanna flitzt anschließend noch einmal ein paar Meter auf dem Radweg zurück. Dort sind wir vorhin einem Angler begegnet, dem sie jetzt noch ein Bisschen zuschauen möchte. Sie bleibt eine ganze Weile dort, während ich unser Abendbrot vorbereite. Der Mann erklärt ihr so einiges über´s Angeln und macht ein paar Späße mit ihr. Als Johanna zum Einbruch der Dunkelheit wieder zurück ist, essen wir gemeinsam zu Abend. Es gibt auch heute kalte Küche: Brot und bunten Salat mit Hühnchenfleisch. Die versprochenen Nudeln werden mangels Abwaschgelegenheit für´s Geschirr noch einen weiteren Tag verschoben.

Es ist wohltuend, einmal einen Tisch und eine Bank zum Essen zu haben und so essen wir heute ganz gemütlich im Kerzenschein. Johanna schläft bald darauf ein und auch ich ziehe mich zum Lesen ins Zelt zurück. Nach Sonnenuntergang ist es mir einfach zu kalt draußen.

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