Trampend von Tromsø auf die Lofoten

~ Tag 02 ~

Datum: Samstag, 02.10.2010
Wetter: sonnig 6 °C

Strecke: Flug: Oslo – Tromsø; Tromsø – Bardufoss- Bogen – Tjeldsund (~ 270 km)
Unterkunft: Zelt

Um 05.00 Uhr am Morgen packen wir unsere Matten wieder in die Rucksäcke und schauen an der Anzeigetafel nach unserem Flug. Dieser steht auch schon daran. Punkt sieben soll unser Flieger abheben. Wir checken unproblematisch am Automaten ein, drucken unsere Papiere aus und können auch gleich unser Gepäck aufgeben. Nachdem das erledigt ist, holen wir uns einen großen Café Latte vom Flughafen-Kiosk, der unsere Lebensgeister wieder weckt.

Es wird ein traumhafter Flug über Seen und Wälder, Wolkenfelder wie Wattemeere, Berge und Gletscher Fjorde und Inseln. Die Spitzen der höchsten Berge zeigen sich bereits leicht mit Neuschnee überzuckert. Ich kann mich kaum sattsehen am Ausblick aus meinem kleinen Fenster und klebe förmlich mit der Nase daran. Fast alle anderen Fluggäste schlafen dagegen, Micha eingeschlossen…ich kann es nicht verstehen.

So fange ich mit der Kamera während des zweistündigen Fluges unzählige Eindrücke der unter mir im Morgenlicht erwachenden Landschaft ein. Und auch jetzt im Nachhinein fällt es mir schwer, eine Auswahl zu treffen, so faszinierend finde ich diesen Anblick von oben über dieses unbeschreibliche Land.



Pünktlich um neun landen wir bei Sonnenschein und strahlend blauem Himmel landen wir in Tromsø, der Metropole Nordnorwegens, die auch als das „Tor zum Eismeer“ bezeichnet wird. Bei nur rund 6 °C ist es trotz der Sonne so kalt, dass beim Aussteigen unser Atem kondensiert. Später kündet auch der Raureif auf den Gräsern von den frostigen Nachttemperaturen, auf die wir uns einstellen müssen.

Am Flughafen verteilen wir zunächst einmal in aller Ruhe unser Handgepäck auf die Rucksäcke und schultern diese dann, um in unseren „Abenteuer-Urlaub“ zu starten. Wir brechen (wieder einmal) unter der Last fast zusammen, denn wir haben weitestgehend unser Essen dabei und meine Fotoausrüstung wiegt auch in diesem Jahr wieder viel zu viel. Um die 25 kg hat so jeder in seinem Packen, der sich die ersten Tage, bis man sich daran gewöhnt hat, nur mühselig tragen lassen will.

Bevor wir aber endgültig in unseren Urlaub starten können, benötigen wir noch Brennstoff für meinen Benzinkocher. Deshalb laufen wir zunächst einmal zum Nordlandcenter, wo wir im Friluft-Senter zwei Liter gereinigtes Benzin für 100 NOK (~ 13 €) pro Flasche! In diesem Einkaufszentrum heben wir auch gleich noch 100 NOK ab und kaufen davon gleich noch ein paar Teilchen vom Bäcker, denn wir haben noch nicht gefrühstückt. Leider sind diese alle mit Kardamom gewürzt, das ich absolut nicht leiden mag – und so freut sich Micha über die doppelte Portion.

Der Plan für unsere Tour sieht jetzt so aus, dass wir versuchen wollen, auf dem schnellsten Wege die Lofoten hinunter bis ans südliche Ende nach Å zu trampen und uns dann Stück für Stück zurück nach Tromsø zu bewegen. Doch um einen geeigneten Trampstop zu finden, müssen wir zunächst erst einmal die Insel Tromsøya überqueren, um zur E8 zu gelangen. So laufen wir in den nächsten zwei Stunden, oft mehr nach Gefühl, als dass wir einen Plan hätten kreuz und quer durch die Straßen mit ihren bunten Holzhäusen. Der recht harte Hüftgurt meines neuen Gregory-Rucksacks schmerzt schon jetzt arg und so bin ich froh, als wir endlich die Brücke über den Tromsøy-Sund mit der berühmten Eismeerkathedrale an ihrem anderen Ende sehen können.

Gleich am Ende der Brücke liegt eine Bushaltestelle, von wo aus wir gegen Mittag unser Glück versuchen wollen. Abwechselnd stellen wir uns an den Straßenrand und halten die Daumen raus, aber auch nach 1 1/2 Stunden hat noch niemand gehalten. Das kann ja heiter werden! Ein Radfahrer ruft uns von der anderen Straßenseite zu, dass 200 m weiter an einer Tankstelle eine bessere Stelle zum Trampen wäre.

Und tatsächlich: kaum stehen wir hier an der Straße, hält auch schon ein älterer Mann an, der uns bis Bardufoss (~ 130 km) mitnehmen kann. Da fast alle Norweger sehr gut Englisch sprechen, kann sich Micha während der Fahrt mit unserem Fahrer gut unterhalten. Ich spreche die Sprache nur sehr dürftig, aber zum Glück verstehe ich das meiste dann doch und so langweile ich mich auch nicht, zudem die Landschaft um uns herum wirklich herrlich ist. Genauso haben wir uns das ausgemalt. Herrliches Herbstwetter und leicht verschneite Bergspitzen. Unser Fahrer Jan ist sogar so lieb, dass er zwei kleine Fotostops an schönen Aussichtsplätzen für uns einlegt.

An einer Raststätte in Nordkjosbotn legt unser Fahrer eine Pause ein, um in einer Gaststätte etwas zu essen. Da uns die norwegischen Preise dafür zu hoch sind, nehmen wir mit einem heißen Kaffee vorlieb, den wir in der gemütlich warmen Røykebua (Raucherhütte) außerhalb der Gaststätte zu uns nehmen.

Weiter geht es dann ab hier auf der E6, die uns weiter nach Südwesten führt. Man spürt, dass der Winter hier schon vor der Tür steht. Die meisten Bäume haben ihr Laub bereits verloren und auf dem Wasser des Balsfjords sehen wir an einigen Stellen bereits dünne Eisschollen treiben.

In Bardufoss verabschieden wir uns von unserem Fahrer Jan, der uns an einer Tankstelle abgesetzt hat. Ich will mir gerade meine Mütze und die Handschuhe aus dem Rucksack holen, da bekommen wir schon unseren nächsten Hike. Das ist auch gut so, denn mir ist ziemlich kalt. Während der letzten Fahrt war nämlich ständig das Fenster im Auto offen, da Jan eine Zigarette nach der anderen geraucht hat. Auf dem Rücksitz zog das dann schon heftig. Aber jetzt kann ich mich aufwärmen.

Im schönsten Abendlicht fahren durch die Gebirgslandschaft rund um Narvik. Eine eindrucksvolle Gegend, für die wir auf dem Rückweg gern ein Bisschen mehr Zeit einplanen wollen. Im Moment erleben wir die Landschaft jedoch nur im Vorbeifliegen aus dem Autofenster heraus – ein Bisschen wehmütig, da ein atemberaubender Anblick dem nächsten folgt und ich nicht ein einziges Foto machen kann.

Unser zweiter Fahrer ist auf dem Weg zu seinem Haus in Bogen (~112 km entfernt), will später jedoch noch weiter in unsere geplante Richtung fahren. Er lässt uns hier aber zunächst einmal raus. Falls wir, wenn er weiterfährt noch immer an der Straße stehen sollten, will er uns wieder aufgabeln. 😉

In einem Supermarkt können wir unseren Wasserbeutel auffüllen und laufen anschließend noch ein Stück die E6 am Ofotfjord entlang. Wir glauben, draußen auf dem Fjord einige Wale zu sehen, sicher sind wir uns aber nicht.

Von dort werden wir aber auch wieder schnell von einem Mann und seiner 80-jährigen Mutter mitgenommen. Sie schenken uns, als sie uns rund 30 km weiter an der Tjelsundbrua absetzen, sogar noch einen halben Kuchen, den sie am Nachmittag nicht aufessen konnten. Wir freuen uns sehr darüber und wünschen den beiden noch einen schönen Abend. Wir laufen über die Tjeldsundbrua hinüber, um direkt am Wasser unten unser Zelt aufzuschlagen. Aber leider bietet sich von hier keine schöne Sicht für den Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Also laufen wir noch einmal über die Brücke zurück, wo wir einen recht guten Platz finden, an dem wir – nun schon fast in völliger Dunkelheit – unser Camp aufschlagen. Micha baut das Zelt auf, während ich uns Nudeln in Tomatensoße koch. Satt und zufrieden kuscheln wir uns nach dem Essen in unsere Schlafsäcke und schlafen fast sofort ein.

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