Lausitzer Heideland

~ Tag 2 ~

Datum: Mittwoch, 7. September 2016
Wetter: sonnig, 27°C

Tageskilometer: 53,7 km (Niederlausitzer Heide – Doberlug – Oppelhain – Grünewalder Lauch – Lauchhammer – Schraden)
Reine Fahrtzeit: 05:14:23
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 10,3 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit mit Pausen: 4,7 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 384 m / – 406 m
Minimale/Maximale Höhe: 89 m / 139 m

Unterkunft: Omas Sofa

Mit dem Gesang der Vögel im Ohr befreie ich mich aus meinem engen Schlafsack und schlüpfe hinaus in einen empfindlich kühlen, aber sonnigen Morgen, der einen weiteren schönen Tag verspricht. Die Luft ist klar, keine Wolke am Himmel zu sehen und die Heide trieft vor Feuchtigkeit. Überall glitzern Tautröpfchen im Licht.

Ich hoffe darauf, ein paar taubedeckte Falter fotografieren zu können, kann aber lange keinen einziges Exemplar finden, während ich mit sandig-nassen Füßen in meinen Sandalen frierend auf Motivsuche den Weg entlang stapfe. Wohin sind nur all die vielen Schmetterlinge, die gestern Nachmittag über die Heide taumelten, verschwunden? Nach einiger Suche kann ich doch endlich zwei kleine Heufalter ausmachen, der über und über mit Tauperlen bedeckt sind. So starr, wie sie vor Kälte sind, fliegen sie zum Glück nicht davon und ich kann sie mit dem Makro in aller Ruhe ablichten. Eine Wespenspinne, die ich später auch noch entdecke, sitzt allerdings viel zu tief in den Heidebüschen, als dass ich ein Foto von ihr machen könnte. So müssen halt allein einige Spinnennetze noch als Motiv herhalten.

Durchgefroren bereite ich mir anschließend mein Frühstück zu und wärme mich mit einem Becher heißem Kaffee wieder etwas auf. Und bald darauf brutzelt die Sonne schon so auf meinen Frühstücksplatz, dass ich mir einen Fleck im Schatten suchen muss, um noch in Ruhe mein Tagebuch bei einem weiteren Pott Kaffee zu schreiben. Gegen 11 Uhr habe ich dann auch mein Lager abgebaut und bin bereit loszuradeln.

Weiter führt man mich mit lila Schildern an den Wegweisern durch die Heide. Auf einer weiteren offenen Heidefläche kann ich in der Ferne die für den Erhalt dieser Landschaftsform notwendigen Heidschnucken ausmachen. Doch sie sind zu weit entfernt, um an ein paar schöne Aufnahmen von ihnen zu gelangen und leider führt auch kein Weg näher an sie heran.

Über schöne Wald- und Feldwege verlasse ich anschließend die eigentliche Besenheide-Fläche, die für mehrtägige Radtouren leider zu klein ist, bin aber weiter im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft unterwegs. Meine Mittagspause verbringe ich in der Rollschänke, einer urigen kleinen Gastwirtschaft mit schönem Biergarten bei Schönborn. Ich esse einen leckeren Salat mit Hähnchenstreifen und trinke ein eisgekühltes Bier, während ich in der Zwischenzeit meinen Akku fürs Handy an die Steckdose hängen kann.

Als der Akku vollständig aufgeladen ist, mache ich mich wieder auf den Weg.  Zunächst einmal muss ich noch einen Umweg in den Ort Doberlug-Kirchhain in Kauf nehmen, um mir ein paar Lebensmittel für den Abend und das nächste Frühstück einzukaufen. Es ist inzwischen fast unerträglich heiß. Die Sonne brennt wie im Hochsommer vom Himmel und das Thermometer zeigt inzwischen knapp 30 Grad. Zum Glück kann ich weite Strecken auf bewaldeter Fläche zurücklegen. Auf der weiteren Fahrt merke ich, wie mich das gleichmäßige Radeln regelrecht entschleunigt und ich immer mehr „runterkomme“, wie man so schön sagt. Meine Heimatlandschaft mit ihren weiten nach Harz duftenden Kiefernforsten und Karpfenteichen trägt ebenfalls zu meinem Seelenheil bei.

Am Grünewalder Lauch angekommen, ist es inzwischen Abend. Dieser See mit den ihn umgebenen Wander- und Radwegen ist aus einem ehemaligen Restloch des Braunkohle-Bergbaus hervorgegangen und jetzt ein beliebter Anziehungspunkt der Region. Ein Campingplatz und mehrere Wochenendhäuschen liegen an seinen Ufern, aber es gibt auch einige schöne naturnahe Badestellen, die gerade bei diesen Temperaturen noch so einige sonnenhungrige Badegäste anziehen. Auch ich kann natürlich nicht widerstehen, ins kühle Nass zu tauchen und eine Runde zu schwimmen, obwohl ich sonst eher nicht so gern in kalte Gewässer steige. Bei diesen Temperaturen und der schweißtreibenden Bewegung auf dem Rad ist mir dieser See jedoch mehr als willkommen. Mit einem erfrischten und sauberen Körpergefühl ziehe ich mir anschließend frische Sachen über und suche mir eine abgelegnere Stelle am Strand für mein Abendbrot. Es gibt wieder einen Salat mit Antipasti und leckerem Oliven-Ciabatta, was ich mir beim Blick auf den abendlichen See schmecken lasse.

Ich beobachte, wie die Sonne langsam hinter dem Wald am gegenüberliegenden Ufer untergeht. Eigentlich wäre es nun Zeit, das Zelt hier aufzuschlagen, wie geplant, aber irgendwie habe ich heute ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken, hier zu schlafen. Vielleicht liegt es daran, dass auch nach Sonnenuntergang noch zu viel los ist und Menschenauf Rädern oder Spaziergänger mit ihren Hunden vorbei kommen. Es ist eher selten, dass ich mich fürchte, alleine irgendwo im Zelt zu schlafen, aber wenn es vorkommt, höre ich auf mein Gefühl und fahre weiter, bevor ich die Nacht hindurch wach liege und auf jedes Geräusch hören werde. Mein Messer habe ich vor Monaten auch irgendwo verloren und noch keinen geeigneten Ersatz gefunden, was mir ein gewisses Gefühl der Sicherheit gegeben hätte.

Ich fahre also wieder los, obwohl es schwierig wird, hier in der Dunkelheit einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Was also tun? Meine Eltern, die in Lauchhammer und damit ganz in der Nähe wohnen, sind zurzeit im Urlaub und so kann ich nicht ins Haus. Bleibt noch meine Oma, die zirka 15 Kilometer entfernt wohnt. Ich rufe sie an und frage, ob sie noch munter wäre, wenn ich später noch bei ihr ankäme, und ob sie mir denn ein Nachtlager gewähren würde. Sie freut sich natürlich, dass ich komme und so radle ich durch die angenehm laue Spätsommernacht in Richtung Schraden. Ich genieße noch immer erfrischt vom Bad im Lauch dieses letzte Stück Fahrt total, obwohl sich Po und Arme inzwischen von der ungewohnten Belastung ordentlich bemerkbar machen.

Ich trudele schließlich gegen 21 Uhr bei Oma ein und lade das Gepäck vom Rad. Nach einem kurzen Gespräch mit ihr geht sie schlafen und ich statte meinem Bruder und seiner Freundin noch einen kurzen Besuch ab, die ebenfalls dort im Haus wohnen. Meine Schwägerin ist ziemlich überrascht, als ich plötzlich an deren Küchentür klopfe. Mein kleiner Neffe schläft schon und auch mein Bruder liegt für ein kurzes Schläfchen auf dem Küchenfußboden, bevor er später noch einmal hinter in seine Werksatt muss. Ich schwatze also noch ein Weilchen mit meiner Schwägerin, bevor es auch für mich Schlafenszeit wird und ich auf dem Sofa in der „guten Stube“ bei Oma einschlafe.

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