Ostseesommer

~ Tag 10 ~

Datum: Dienstag, 13. August 2013
Wetter: wechselhaft, gewittrig und stürmisch, 18°C

Tageskilometer: 57,0 km (Dabitz – Hohendorf – Parow – Stralsund – Teschenhagen – Reinberg – Stahlbrode)
Reine Fahrtzeit: 05:08:15
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 11,1 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit mit Pausen: 6,3 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 245 m / 237 m
Minimale/Maximale Höhe: -3 m / 22 m

Unterkunft: Campingplatz/Zelt

Im Morgengrauen werde ich vom aufs Zelt tropfendem Regen munter. Zum Aufstehen ist es aber noch zu früh, also drehe ich mich noch einmal um. Gegen 7 Uhr werde ich wieder wach und als ich das Zelt öffne, strahlt mir sogar die Morgensonne ins Gesicht. In dicke Fleecejacken gehüllt frühstücken wir mit viel heißem Kakao und Kaffee, denn es ist ziemlich kalt. Der Wind weht heute noch stärker und braust nur so um uns herum. Die offene Hütte bietet davor auch keinerlei Schutz. Eigentlich möchte ich nach dem Essen noch ein paar Zeilen ins Tagebuch schreiben, aber mit meinen klammen Fingern kann ich kaum den Stift halten. Also lasse ich es bleiben und wir räumen zusammen. Beim Zeltabbau müssen wir aufpassen, dass uns der Wind dieses nicht aus den Händen reißt. Schließlich ist dann alles verpackt und wir können aufbrechen. Unsere heutige Tour führt uns zunächst weiter am Barther Bodden entlang.

Die Landschaft bleibt abwechslungsreich und schön, sogar ein paar hübsche kleine Strände gibt es, wo Johanna einige kleine Fossilien findet. Lange bleiben wir jedoch an keinem Strand – zu stark bläst der Wind, bildet Schaumkonen auf dem Wasser und lässt uns fast erfrieren, kaum dass wir einmal rasten. Rund um uns herum türmen sich schwarze Wolkenberge neben weißen Schäfchenwolken auf und in der Ferne hören wir stetiges Gewittergrummeln. Dennoch, es ist eine schöne Wetterstimmung, die uns das anstrengende Radeln im böigen Wind etwas vergessen lässt. Zum Glück haben wir den Wind, der aus Südwest heranbraust, meist von schräg hinten, sonst wäre an Radfahren heute nicht zu denken.

Wir kommen wieder einmal an einer Pferdekoppel entlang, was bei meiner pferdevernarrten Tochter nie ohne Halt abgeht. Sie füttert und streichelt die Tiere ein Weilchen, doch die immer näher kommenden Gewittergüsse, lassen uns bald erneut aufbrechen.

Gegen Mittag verlassen wir dann die Boddenküste und kürzen ein Stück über Land ab, bevor wir anschließend wieder an die Ostseeküste gelangen. Noch immer ist kein Tropfen Regen gefallen, aber werden wir auch weiterhin solches Glück haben?

In Parow kommen wir an einem Gehege mit ein paar weißen Eseln vorbei, eine seltene alte Zuchtform, die bereits fast in Vergessenheit geraten war. Doch Anfang der 1990-er Jahre begann man im Tierpark Stralsund mit Erfolg, diese schönen Haustiere durch gezielte Zucht zu erhalten.

Am Nachmittag führt unsere Route durch die Hansestadt Stralsund, wo wir kurz überlegen, noch ins Meeresmuseum zu gehen. Aber dafür ist es einfach schon zu spät und für unser Gepäck hätten wir wahrscheinlich sowieso Schwierigkeiten, einen Platz zum Unterzustellen zu finden. So lassen wir diese Idee schnell fallen und suchen in der Karte nach dem nächstgelegenen Campingplatz. Heute haben wir mal wieder das Bedürfnis nach ein Bisschen „Luxus“ und dringend nötig ist eine Dusche ebenfalls.

17 Kilometer müssen wir noch radeln – und das auf der schlechtesten Piste des ganzen Ostseeradfernweges. Kopfsteinpflaster! Eine kilometerlange Rüttelpiste, die sogar die Erdnussbutter in den Radtaschen schaumig schlägt (wie wir am nächsten Morgen feststellen). Das Ganze noch gepaart mit einigen kräftigen Regenschauern, Windböen und der lauten Bundesstraße neben uns. Das ist so rein gar keine Kombination, die Freude macht. Eigentlich wollen wir nicht mehr weiter, doch die Aussicht, auf eine heiße Dusche lässt uns unsere letzten Energiereserven aktivieren.

Als wir gegen halb 7 dann endlich auf die kleine geteerte Nebenstraße zum Campingplatz Stahlbrode abbiegen und nur noch 4 Kilometer vor uns haben, sind wir überglücklich, diese Etappe hinter uns zu haben. Besonders schön finden wir diesen Platz zwar nicht und er ist mit 17 Euro pro Nacht auch verglleichsweise teuer, aber für eine Nacht geht das schon in Ordnung. Als unser Zelt dann aufgebaut ist, gehen wir noch einmal kurz zum Hafen hinunter und schauen uns die bunten Fischerboote an. Auch ein toller Regenbogen zeigt sich am Abendhimmel.

Im Camp gibt es zum Abendbrot dann endlich die versprochenen Nudeln mit Tomatensoße, auf die Johanna schon tagelang wartet. Danach geht es nur noch kurz unter die heiße Dusche bevor wir ins Zelt und in die kuscheligen Schlafsäcke kriechen. Nachts werden wir beide noch einmal von einem kräftigen Regenguss geweckt, schlafen aber bald darauf wieder ein.

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