Trekking im Rondane-Gebirge

~ Tag 12 ~

Datum: Mittwoch, 26. Oktober 2011
Wetter: bedeckt, Schneefall -2 °C

Unterkunft: DNT-Hütte Rondvassbu

Ich werde heute auch ohne Wecker um halb acht munter, obwohl es noch stockfinster draußen ist. Ich kann nicht mehr liegen und müde bin ich auch nicht mehr. Die Nächte sind einfach zu lang hier zu dieser Jahreszeit. Aber zum Glück sind wir ja heute in einer Hütte und nicht im Zelt und so kann ich aufstehen und die Leiter in den Aufenthaltsraum hinunter klettern. Ich zünde ein paar Kerzen an und mache dann Feuer im Ofen. Anschließend wird Wasser aufgesetzt und ich koche mir einen Becher Cappuccino, mit dem ich mich auf der Bank am Fenster in die Ecke lehne und ein paar Zeilen in mein Tagebuch eintrage.

Zum Fotografieren habe ich heute Morgen, nachdem mir nun mein Normalobjektiv fehlt, rein gar keine Lust und als es schließlich hell genug wird, um nach draußen zu blicken, gibt einem das Wetter auch keinerlei Verlockung dazu, die warme Hütte zu verlassen. Tief hängen die Wolken an den Bergen über dem See und alles ist dunkel, trist und grau. So bleibe ich gemütlich auf der Bank sitzen und nachdem mein Cappuccino ausgetrunken ist, mache ich mir noch einen Becher herrlich duftenden Gewürztee.

Es tut mir gut, hier in aller Muße bei Kerzenlicht einfach nur dazusitzen und den eigenen Gedanken nachzuhängen. Zuhause im stressigen Alltag kommen solche entschleunigten Momente immer viel zu kurz. Ich bin traurig, dass ich dies nicht mit einem geliebten Menschen teilen kann und spüre, wie sich der emotionale Abstand zwischen mir und Micha jeden Tag ein Stückchen weiter auftut…

Später, als auch Micha nach unten kommt, frühstücken wir gemeinsam in aller Ruhe und beschließen, den heutigen Tag noch hier in Rondvassbu zu verbringen. Da das Wetter alles andere als schön ist, möchten wir auf den Luxus, uns den Tag über im Warmen aufhalten zu können, nicht nehmen lassen und werden erst morgen wieder den Rückweg gen Heimat antreten.

Auch heute begegnen wir, wie den ganzen Urlaub hindurch, keiner Menschenseele. Der Herbst ist vorbei und die Skisaison beginnt erst um den Jahreswechsel herum. Als wir jedoch das Hüttenbuch durchblättern, sehen wir, dass kurz nach uns vor einer Woche, auch noch ein paar letzte Wanderer hier genächtigt haben. Micha holt danach noch einen Eimer Wasser vom See. Ein schmaler recht vereister Trampelpfad führt hinab zum Holzsteg, an welchem im Sommer, wenn die Boote auf dem See verkehren, sicher eine Menge los ist. Jetzt liegt er ebenso verlassen da, wie es die Hütten ringsum sind und wartet auf den Winter.

Nachdem Micha wieder mit dem Wasser zurück ist, vertreiben wir uns die Zeit mit ein paar Spielen, schauen uns die leider auf Norwegisch geschriebenen Bücher, die im Regal stehen, an und lesen etwas. Gegen Mittag beginnt es dann leicht zu schneien und der inzwischen wieder stark aufgefrischte Wind treibt die Schneeflocken waagerecht am Hüttenfenster vorbei.

Etwas später erscheint aber tatsächlich noch einmal ein kleines blaues Wolkenfenster, durch das die Sonne scheint und die Landschaft gleich viel freundlicher aussehen lässt. Micha geht raus und macht ein paar Fotos, während ich in der Hütte sitzen bleibe. Ich schmolle aus Ärger über meine eigene Schusseligkeit und das zerdepperte Objektiv in der Hütte vor mich hin.

Lange dauert es nicht, bis Micha zurück in die Hütte kommt, denn die Sonne gab nur ein kurzes letztes Intermezzo, jetzt beginnt es richtig und dauerhaft zu schneien. Ich mache nun doch auch einige Fotos von der sich wandelnden Landschaft um die Hütte herum, die sich erneut ein weißes Kleid zulegt. Man spürt es förmlich: Der Winter drängt mit aller Macht zurück ins Gebirge. Bald werden nur noch Ski- und Schneeschuhläufer hier in den Bergen unterwegs sein können.

Während draußen nun die Schneeflocken vom Wind umher gewirbelt werden, haben wir es hier in der Hütte gemütlich und warm und sind sehr froh, heute nicht draußen unser Zelt aufbauen zu müssen. Am frühen Nachmittag backen wir uns als besonderes Highlight eine Portion Pfannkuchen (oder Plinsen, wie sie bei uns genannt werden) auf dem Ofen. Der Teig dafür stammt aus dem Vorratslager der Hütte, wurde aber, nach Packungsanleitung mit Wasser angerührt, ziemlich flüssig, so dass die Pfannkuchen von der Dicke her eher Crêpe ähnelten. Dem Geschmack tat dies jedoch keinerlei Abbruch. Mit Blaubeermarmelade, die wir ebenfalls im Vorratslager fanden, waren sie wirklich ein Gedicht!

Am Abend ist der Flockenwirbel draußen dann so dicht, dass wir uns schon ein wenig Sorgen um unseren Rückweg morgen machen. Wir hoffen, dass die Schneedecke über Nacht nicht so dick wird, dass wir Probleme auf dem Rückweg bekommen. Die Temperatur ist wieder etwas gefallen. Das Thermometer zeigt jetzt -2 °C.

Bald darauf wird es auch schon wieder stockdunkel und wir bereiten uns zum Abendbrot eine Packung Nudeln mit Röstzwiebeln zu, die jedoch nicht sonderlich gut schmeckt. Nachdem dann der Abwasch erledigt ist, trage ich mein Tagebuch nach lasse den Abend ebenso gemütlich wie er begonnen hat, mit einer Tasse heißem Kakao und dem Buch in der Hand bei Kerzenschein ausklingen.

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