Sommerferien an der Ostsee

~ Tag 1 ~

Datum: Freitag, 29.07.2011
Wetter: 23 °C, Regen

Tageskilometer: 14,3 km (Warnemünde – Hohe Düne – Markgrafenheide)
Reine Fahrtzeit: 01:35:52
Durchschnittsgeschwindigkeit ohne Pausen: 8,9 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit mit Pausen:  3,6 km/h
Höhenmeter im An- & Abstieg: 136 m / 138 m
Minimale/Maximale Höhe: 1 m / 19 m

Unterkunft: Zelt

Der Wecker am ersten Tag unseres Urlaubes klingelt sehr zeitig – schon um 4 Uhr am Morgen müssen wir aus den Betten. Die Räder stehen zum Glück bereits fertig bepackt auf dem Hof unserer Nachbarn, so dass uns das Beladen in der Dunkelheit erspart bleibt. Wir ziehen uns also nur schnell an, schnappen meine Radtaschen mit Kamera und Geld und es kann losgehen. Der Fährmann tritt gerade seinen Dienst an und bringt uns als erste Fahrgäste dieses Tages über die Elbe. Ausnahmsweise funktioniert am Bahnhof sogar einmal der Aufzug und so kommen die Räder ohne Abladen und lästiges Taschenschleppen über die Treppe auf den Bahnsteig und wir erreichen deshalb gleich noch eine S-Bahn früher als geplant.

So sind wir schon um 5.30 Uhr in Dresden am Hauptbahnhof und können dort in aller Ruhe zum Abfahrtsgleis gehen. Auch zum Kaffeeholen und Brötchenkauf bleibt nocht genügend Zeit, bevor es um 6.29 Uhr pünktlich mit dem IC gen Norden weiter geht.

Mitten auf der Strecke fängt es nun an zu regnen und lässt uns Schlimmes befürchten. Es hört auch leider nicht mehr damit auf, bis wir kurz nach Mittag in Warnemünde, unserem Ziel, ankommen. Am Bahnhof gibt es zumindest eine Überdachung, so dass wir noch ganz in Ruhe die Räder beladen, Regensachen anziehen und die Radtaschen der Kinder, die nicht wasserdicht sind, abdecken können. Auch meine beiden Wassersäcke bekomme ich bei den netten Mitarbeiterinnen der Zimmervermietung am Bahnhof noch gefüllt.

Wir schauen uns missmutig um, aber das grau-in-grau des Himmels verspricht leider keine Besserung. Da wir schließlich auf dem Bahnhof nicht bleiben können, geht es einfach los. Es gießt wie aus Kannen und so sind wir schon nach den ersten fünf Minuten, die wir bis zur Autofähre Warnemünde-Hohe Düne brauchen, von oben bis unten klitschnass. Für 5,80 € werden wir dann ziemlich schnell ans andere Ufer gebracht.

Weiter geht es zunächst ein Stück die Landstraße entlang. Der Radweg ist hier zeitweise unbefahrbar da überall das Wasser steht und munter aus den Gullideckeln nach oben sprudelt. Da es auch die Tage zuvor schon heftig geregnet hat, können die Wassermengen einfach nicht mehr abfließen. Später erfahren wir noch, dass in Graal-Müritz zudem ein Pumpwerk ausgefallen ist und dadurch die Gegend auch ohne den Regen allein durch das Grundwasser schon unter Wasser stehen würde.

In Markgrafenheide müssen wir an einem Supermarkt stoppen, denn die Regenüberzüge für die Radtaschen der Kinder sind nicht 100 %-ig dicht und auch von unten dringt das hochspritzende Wasser in die Taschen ein. Wir kaufen also eine Rolle Müllbeutel und verpacken alle Sachen in den Taschen noch einmal zusätzlich darin. Zum Glück sind bisher noch keine Anziehsachen oder Schlafsäcke nass geworden, da diese in den Ortlieb-Taschen oder im Seesack verstaut sind. Lediglich ein paar der Ausrüstungsteile sind bereits leicht feucht.

Kurz nach Markgrafenheide biegen wir dann mit dem Ostseeküsten-Radweg in die Rostocker Heide ein, die aber eher wie die Mecklenburger Seenplatte anmutet. Der ganze Wald steht mehr oder weniger unter Wasser! Wir nehmen den Regen inzwischen mit Galgenhumor und überlegen, wie viele Steigerungsformen von nass wohl gibt: nass – nässer – tropfnass – klitschnass – bisaufdiehautnass…

Der Radweg hier ist eigentlich kein Weg mehr, oft steht das Wasser knöcheltief darauf oder wir fahren durch Schlammpfützen. Dann irgendwann stehen wir vor einem Fluss, der mitten über unseren Weiterweg fließt. Ratlos steigen wir von den Rädern und überlegen, was wir nun tun sollen. Die rotbraune Brühe lädt nicht wirklich zum hineinsteigen ein, aber irgendwie müssen wir ja hinüber. Also die Hosen noch weiter hoch gekrempelt und hinein in die kalte Plorke!

Wir kommen alle gut hindurch und weiter geht es auch schon. Mittlerweile nieselt es zum Glück nur noch und wir wollen jetzt eigentlich nur noch einen halbwegs trockenen Platz für unser Zelt finden. Aber das ist nicht so ganz leicht wie gedacht, denn wenn der Wald einmal gerade nicht unter Wasser steht, ist er mit zwei Meter hohem Farn überwuchert. Mehrere Versuche, einen brauchbaren Platz zu finden scheitern kläglich.

Gegen halb 5 werden wir endlich fündig. Am Waldrand neben einem Hochsitz stellen wir unsere Zelte mitten auf den Weg, der dort als Sackgasse endet. Mein kleines Salewa-Zelt, das mich schon seit Jahren begleitet, steht in Windeseile. Bis allerdings das Hilleberg-Zelt, welches ich mir von Micha geliehen habe, endlich halbwegs akzeptabel steht, brauche ich mehrere Versuche. Irgendwie ist die Apsis dieses Zeltes so lang, dass sie sich bei der geringsten Bodenunebenheit nicht mehr straff abspannen lässt und gleich die ersten Regentropfen einen Teich auf dem Vorzelt bilden. Aber wenigstens hat es inzwischen aufgehört zu regnen. Wir sind total durchgefroren, da wir alle auch keine Regenhosen besitzen und wollen jetzt nur noch etwas Warmes in den Bauch und hinein in den warmen Schlafsack.

Als ich nach einem Kampf mit den (angeblichen) „Überall“-Anzündhölzern, die ich zum ersten (und letzten!) Mal dabei hatte, endlich eines der Streichhölzer angezündet bekomme, gibt es bald eine schöne heiße Suppe, die uns wieder aufwärmt. Danach wollen wir nur noch schlafen. Ich habe keinen Handyempfang und kann nicht mehr mit Micha telefonieren, wie verabredet. Ich schlüpfe also in mein Fleece-Inlet, dass ich als leichten, platzsparenden Schlafsack-Ersatz für den warmen Sommerurlaub mitgenommen habe und hoffe, dass ich mir darin in der Nacht nicht den Hintern erfriere. Es wird aber tatsächlich arg frisch und ich decke mich zudem mit unserer (feuchten) Stranddecke zu – so bleibe ich allerdings nur grenzwertig warm. Zum Glück haben die Kinder ordentliche Schlafsäcke mit und frieren nicht. In der Nacht regnet es immer wieder, aber es bleibt in den Zelten weitestgehend trocken, nur meine Isomatte wird durch den Zeltboden von unten etwas feucht, weil Wasser zwischen die Zeltunterlage und Zeltboden gelaufen ist.

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